Der Asien-Blog

200 Millionen Euro für „roten Tourismus“

200 Millionen Euro für „roten Tourismus“

Noch wollen die Chinesen nicht von ihrem „proletarischen“ Erbe lassen, das sie seit dem Ende des letzten Kaisers so prägte und u.a. in die Kulturrevolution führte. 2005 startete die kommunistische Partei eine Initiative, die in den „roten Tourismus“ investiert und zu den Gedenkstätten ihres Ursprungs führt. 2016 gab das Finanzministerium mehr als 1,5 Milliarden Yuan für die Unterstützung des „roten Tourismus'“ aus. Das entspricht ca. 200 Millionen Euro.

Roter Tourismus – Was ist das?

Seit 2005 bezuschusst die Kommunistische Partei Chinas aktiv den roten Tourismus, den 红色旅游 (hóngsè lǚyóu). Die Chinesen sollen erfahren, was Klassenkampf wirklich bedeutet hat und wie proletarische Prinzipien zu verstehen sind. 13 Städte engagieren sich inzwischen besonders bei dem Projekt. Keine Großstädte. Die haben zum einen ohnehin genügend Tourismus. Zum anderen befinden sich den Gedenkstätten der proletarischen Revolution eher in ländlichen, armen Gebieten. Der Gedanke ist also nicht nur, politische Ideale zu promoten. Hier sollen kleine Städte und Dörfer auch ein Stück vom großen Tourismuskuchen abbekommen. Daher unterstützt die chinesische Regierung hier mit Geldern für Touren und der Instandhaltung von historischen Stätten.

Wohin fährt man mit dem „roten Tourismus“?

Yan’an ist vielleicht auch allgemein geschichtlich Interessierten bekannt. Hier endete Mao Zedongs Langer Marsch. Yan’an gilt daher als Geburtsort der proletarischen Revolution. Ein ideales Plätzchen also, um als Tourist in die „rote Geschichte“ Chinas einzutauchen. Und wo wir bereits bei Mao Zedong sind, so lohnt sich natürlich auch ein Abstecher zum Geburtsort von Mao: Shaoshan. Nun gut. Inwieweit sich das wirklich lohnt, das mag man selbst entscheiden. Weitere Touristenziele sind: Gutian, Jingganshan oder auch Tingzhou – allesamt verbunden mit Mao Zedong und der kommunistischen Geschichte Chinas. Auch das kleine Dorf Nanjie in Henan soll ein erquickendes Erlebnis sein für Proletariatstouristen. Das Dorf lebt noch immer wie unter Mao in einer Kommune.

Bringt das wirklich was?

Inwieweit die ausgelobten Touristenziele wirklich von der Finanzspritze der Kommunistischen Partei profitieren? Sicherlich gibt es Touristen, die auf Maos Spuren wandeln – auch wenn sie selbst überhaupt nichts mit Kommunismus im Sinn haben. Mao ist eine Kulturfigur und macht neugierig. Themenparks und Rollenspiele haben mehr von Disneyland als man vermuten mag. Laut CCTV ist „roter Tourismus“ ein Erfolgsmodell. Er weckt Emotionen – insbesondere wenn ältere Chinesen mit den Angriffen der Japaner im zweiten Weltkrieg konfrontiert werden. Die Touristenziele verkörpern allerdings Klischees. Mit denen können junge Leute wenig anfangen. Sie sind nicht mit dem Klassenkampf groß geworden, sondern mit Micky Maus. Daher fordern viele innovativere Touristenziele und das kostet mehr Geld. Ob das für die Regierung die richtige Investition ist?

CCTV-Beitrag: Red Tourism a booming business in China?

Würdet ihr auf den Spuren Maos wandeln? Was haltet ihr vom „roten Tourismus“?

Quelle: XinhuaNet
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