Die chinesische Stadt Chengdu hat es dieses Jahr auf die Liste der „Must See“-Städte der „New York Times“ geschafft. Grund genug, um etwas genauer hinzuschauen…

Dynamisches Chengdu: Mehr als Pandas und scharfes Essen

Die Hauptstadt der Provinz Sichuan kannte man bislang vor allem für sein Panda-Aufzuchtprogramm und das extrem scharfe Essen. Doch in den letzten Jahren hat sich Chengdu auch zum Wirtschaftszentrum und zur Touristenattraktion gemausert. Chengdu zählt zu den wirtschaftlich am schnellsten wachsenden Städten Chinas. Hier werden rund zwei Drittel aller iPads gefertigt. Doch auch kulturell und historisch kann Chengdu einiges an Image-Gewinn verbuchen. Schon der altchinesische Dichter Du Fu fühlte sich in Chengdu trotz finanzieller Not so wohl, dass seinem kreativen Schaffen hier ein Denkmal gesetzt wurde. Auch die regionale Variante der Peking-Oper, die Sichuan-Oper (Chuan-ju), verschafft der Stadt einiges an Prestige. Und nicht zuletzt ist Chengdu bekannt für seine Brokat-Stickerei.

Inzwischen tut die Stadt alles, um es den Touristen so angenehm wie möglich zu machen. Es gibt einen internationalen Flughafen, der sogar von einigen ausländischen Flughäfen direkt angeflogen wird. Transit-Passagiere können in Chengdu einen visafreien Stop für 72 Stunden einlegen – eine Erweiterung auf acht Tage ist bereits beantragt. Chengdu ist nicht so teuer wie die Konkurrenz in Peking, Shanghai oder Hongkong und hat es auf Platz Vier der beliebtesten Touristenstädte in China geschafft. Rund 186 Millionen Touristen besuchen jährlich die Provinzhauptstadt, die bereits zur Tang-Dynastie ein kulturelles und kommerzielles Zentrum war.

10 Gründe, Chengdu zu besuchen

1. Panda-Aufzuchtstation 大熊猫繁育研究基地

Das Panda-Zuchtprogramm in Chengdu ist so erfolgreich, sodass jedes Jahr Bilder von kleinen, süßen Pandababys von hier aus um die Welt gehen. Chinesische „Zoos“ haben es an sich, etwas trist zu sein. Und auch die Aufzuchtstation könnte schöner sein. Doch wer einmal einen Panda Bambus schmatzen hören will, der wird hier vor Entzücken quicken. Außer den großen schwarz-weißen Riesenpandas sind auch die kleinen Roten Pandas (Katzenbär) zu bestaunen.

2. Hot Pot 火锅

Es ist wohl das bekannteste Essen in Chengdu: Hot Pot — Feuertopf. Und das Gericht ist so scharf wie man vermuten mag. Die Sichuaner lieben ihr Essen ordentlich gewürzt mit Chili. Der Feuertopf gilt als Spezialität. Er besteht aus einer heißen, „roten“ Brühe, in die man wie bei unserem Fondue Fleisch und Gemüse hineinhält, um sie zu kochen. Zwar sind auch das Laziji, das scharfe Huhn mit Chili, oder das Yuxiangrousi, das nach Fisch duftende Schweinefleisch mit Gemüse, sehr empfehlenswert, doch einmal sollte man den Hot Pot zumindest probiert haben. Er ist köstlich — auch wenn einem die Augen vor Schärfe tränen…

3. Wenshu-Kloster | Wenshuyuan 文殊院

Das buddhistische Wenshu-Kloster zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten von Chengdu und entstand ursprünglich in der Sui-Dynastie (605 – 617 v. Chr.). Zerstört durch ein Großfeuer in der Ming-Dynastie, wurde Wenshuyuan in seiner heutigen Form 1697 wieder aufgebaut. Hier gibt es das beste vegetarische Essen der Stadt. Dazu eine Tasse Tee und die Welt sieht gleich wieder viel schöner und entspannter aus…

4. Dujiangyan-Bewässerungssystem 都江堰

Die antike Anlage unweit von Chengdu entstand 256 v. Chr. und ist ein beeindruckendes Beispiel Chinas legendärer Wasserbauprojekte. Daher steht das Stauwehrsystem auch seit den 80er Jahren unter Denkmalschutz. Zudem steht das Bewässerungssystem auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Beim großen Erdbeben von 2008 erlitt Dujiangyan schwere Schäden, da es sich nahe dem Epizentrum des Bebens befand.

5. Kuai Zhai Xiangzi 宽窄巷子

Die restaurierten, alten Straßenzüge von Chengdu vermitteln ein Leben, das noch mit anderer Zeitrechnung geführt wurde. Hier findet man traditionelle Teehäuser, lokale Cuisine und Orte der Entspannung. Die Straßen entstanden ursprünglich im 17. Jahrhundert und sind durch einen folkloristischen Charakter geprägt. Hier haben zur Zeit der Qing-Dynastie kaiserliche Beamte und Soldaten gehaust.

6. Dacisi 大慈寺

Der Dasi-Tempel zählt zu den vier wichtigen buddhistischen Tempeln entlang des Yangtze-Beckens und hat seinen ganz eigenen Charme inmitten der geschäftlichen Metropole. Allerdings sind die Verantwortlichen der Stadt geschäftlich dabei, um den Tempel herum einen Shoppingkomplex zu errichten. Wer kann, sollte noch hingehen, bevor die Neuzeit unübersichtlich ist…

7. Du Fu’s Cottage | DuFu CaoTang 杜甫草堂

Tang-Dichter Du Fu soll sich 759 — bankrott wie er war — nach Chengdu zurückgezogen haben und hier in einer selbstgebauten Strohhütte gelebt haben. Vier Jahre lang hat er in dieser Naturidylle einige seiner berühmtesten Gedichte verfasst. Pilger zollen der Legende in Chengdu Tribut, sodass Du Fus Hütte zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Chengdu geworden ist.

8. Chengdu Renmin Park | Renmin Gongyuan 人民公园

Der „Volkspark“ war der erste öffentliche Park in Chengdu und öffnete 1911 — damals noch als Shaocheng Park — seine Pforten. Der Park ist die größte Grünfläche in der Stadt, hat einen wunderschönen (künstlich angelegten) See und u.a. ein hundertjähriges, traditionelles Teehaus, das zum Einkehren lockt.

9. Qingcheng Shan 青城山

Die berühmten daoistischen Tempel von Qingcheng Shan wurden größtenteils beim großen Erdbeben von 2008 zerstört. Dennoch lohnt sich der Ausflug zu den malerischen Bergen, um hier die Seele baumeln zu lassen und einen Blick auf diese Naturschönheit zu werfen.

10. Sanxingdui 三星堆

Die Ausgrabungsstätte Sanxingdui hat beeindruckende Schätze hervorgebracht, die mehr als 3.000 Jahre alt sind. Fremdartig und exotisch wirken die Bronzemasken und Jade-Skulpturen, die man nicht so schnell wieder vergisst. Und wer weiß, wie viele neue alte Schätze noch ausgegraben werden…