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Zensur? In China? Ich bin schockiert!

Zensur? In China? Ich bin schockiert!

Die Chinesen lieben ihren Bürokratie-Apparat sogar noch mehr als die Deutschen ihren. Und: Sie schrecken auch nicht vor Zensur zurück, wenn es um TV-Serien geht. Nun weht der Regulationswahn für ausländische UND chinesischen Serien noch härter.

Die Volksrepublik China überarbeitet ihr Kontrollsystem für Fernsehinhalte. Bislang, so heißt es, hätten die Fernsehsender es nicht geschafft, eine gesunde Balance zwischen Inhalten für Erwachsene und Inhalten für Minderjährige herzustellen. Daher sollen Fernsehinhalte künftig in verschiedene Kategorien unterteilt werden und man liebäugelt damit, diesen gewisse Auflagen, z.B. zu Sendezeiten, aufzuerlegen. Soweit kennen wir das auch von uns durch die FSK-Freigabe. Inhalte ab 16 Jahren dürfen bei uns erst ab 22 Uhr, Inhalte ab 18 Jahren erst ab 23 Uhr gesendet werden.

Das chinesische Fernsehsystem wird überarbeitet

Allerdings soll es in China lediglich drei Kategorien geben: Inhalte, die für alle Zuschauer freigegeben sind, Inhalte, die des elterlichen Beiseins bedürfen und solche, die für Minderjährige ungeeignet sind. Doch wo beginnt da die Unterteilung? Wie werden einzelne Inhalte überprüft und kategorisiert? Wo ist die Grenze? Die zuständige chinesische Behörde SARFT (State Administration of Radio, Film and Television) gibt sich versöhnlich. Ihr Vice Director Tian Jin sagte laut ChinaDaily „Die schwierigste Aufgabe wird es sein, diese Grenze wissenschaftlich, genau und plausibel zu ziehen.“ Obwohl ihm da jeder zustimmen wird, ist es schwierig nicht gleich an Fernseh-Zensur zu denken, wenn es weiter heißt: „Unsere kreative Arbeit, Filme und Fernsehserien, sollten zu Chinas Grundwerten beitragen und Chinas Schönheit weitertragen.“ Zudem wird darüber nachgedacht, gewisse Inhalte nur auf speziellen, dafür vorgesehenen Fernsehsendern zu zeigen. Im Bereich Erotik sicherlich eine sinnvolle Maßnahme. Doch würde es dabei bleiben?

Zensur bei „The Empress of China“?

Da passt es so gar nicht ins Bild, dass „The Empress of China“, eine der teuersten Serien der chinesischen TV-Geschichte, einfach einmal „Off Air“genommen wurde und erst mit neuem Schnitt wieder im chinesischen Fernsehen gesendet werden durfte. Es heißt, man habe Szenen mit zu viel weiblichem Ausschnitt entfernt und durch Portraitszenen ersetzt. Dabei ist es bekannt, dass die Damen der Tang-Dynastie nicht mit ihren Reizen geizten. Eine „Fa-Frau“ mit nackter Brust in der Duschgelwerbung wäre in China undenkbar. Offiziell gab es bei der Ausstrahlung der Serie „technische Probleme“.

Kein Wunder, dass der chinesische Zuschauer die landeseigenen Produktionen oft als „langweilig“ empfindet. Amerikanische Serien stehen im chinesischen Fernsehen viel höher im Kurs. Und das passt den Hütern von Sitte und Anstand wohl auch nicht ganz. Denn eine weitere Regulierung sorgt im Streaming-Paradies für düstere Wolken…

Ausländische Filme und Serien müssen „genehmigt“ werden

Seit September 2014 müssen Streaming-Webseiten spezielle Genehmigungen für ausländische Filme und Serien beantragen. Daher haben Seiten wie Youku, Sohu oder Letv neue amerikanische Serien erst einmal aus dem Programm genommen und durch „Klassiker“ wie „Heroes“ oder „Prison Break“ ersetzt. Die kennt jeder – sogar das Ende. Daher ist es einfacher diese durch die „Zensur“ zu bekommen, sagten Insider der ChinaDaily. Aktuelle Filme und Serien müssen erst einen Genehmigungsprozess durchlaufen, der einige Monate dauern kann. Schließlich will man auch wissen, ob das Ende der Staffel „zuschauerverträglich“ ist.

Genau wie wir sorgen sich viele Chinesen um einen Verfall der Werte. Insbesondere auf die Jugend blickt man mit Argwohn. Sie idealisieren oft einen westlichen Lifestyle. Es gibt nicht nur spezielle Abnehmanstalten für Kinder, die sich hemmungslos mit Hamburgern & Co. vollstopfen, sondern auch Entzugskliniken speziell für jugendliche Computerspielsüchtige. Beides ist im Land der Mitte zu einem Problem geworden und für die Betroffenen eine harte Schule. Die Sorge der Chinesen ist daher nicht gänzlich unberechtigt. Doch ob eine allzu strikte, bürokratisierte Regulierung die Lösung ist? Der Verdacht der Fernseh-Zensur wird damit stets im Raum stehen. Und das sehen nicht nur die Westler ungern, sondern auch viele Chinesen…


Bild aus: „The Empress of China“ / Fan Bingbing Studio

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2 Comments

  1. TaiFei

    Mittwoch, 16. September 2015 at 15:23

    Auch wenn die Frauen in der Tang-Dynastie mit ihren Reizen sicher nicht geizten, sind so tiefe Dekolletees keineswegs historisch korrekt. Zwar mögen amerikan. Serien in einigen Punkten höher im Kurs stehen, unbeliebt sind die landeseigenen Produktionen jedoch überhaupt nicht. Sehr beliebt sind auch koreanische Dramen, die nicht minder prüde sind. Zudem ist China hier auch keineswegs allein. Thailand blurrt ebenfalls schon seit Jahren zu tiefe Ausschnitte, bestimmte Gewaltszenen oder Alkoholika. Ähnlich verfährt hier auch Singapore.
    Nun kann man über den Sinn solcher Zensuren sicher trefflich diskutieren, solange aber in DE sinnentstellende Schnitte und Synchros auch noch zur Regel gehören (wobei das besser geworden ist), sollte man hier nicht zu sehr darauf herumreiten. Immerhin beeinträchtigt das Ausblenden der tiefen Ausschnitte nicht wirklich die Qualität der Serie.

  2. Anja

    Mittwoch, 16. September 2015 at 17:19

    Ob die Qualität der Serie damit beeinträchtigt wird, weiß man nicht. Vielleicht hat der Schnitt so wie er war einen tieferen emotionalen Sinn. Vielleicht nicht. Aber die künstlerische Freiheit wird ganz klar beeinträchtigt. Und auch wenn andere Länder eine ebenso doppeldeutige TV-Moral pflegen, bleibt es Zensur. Mir ist aber auch kein Fall bekannt, wo eine koreanische Serie von amtlicher Seite her zurück ins Produktionsstudio musste… Bei koreanischen Serien handelt es sich ja eher um gesellschaftlich gepflegte Prüderie, die man im wirklichen Leben auch nicht immer nachvollziehen kann…
    Ich habe auch schon Reportagen gesehen, wo die Übersetzung aus dem Chinesisch reichlich schief gelaufen ist. Ebenso habe ich aber auch chinesische Übersetzer kennengelernt, die zugegeben haben, dass sie absichtlich „verschönt“ übersetzen, damit China besser rüberkommt. Und dass China in puncto Nachrichten auch nicht immer objektiv berichtet, muss man wohl nicht erwähnen. Es lohnt also nicht, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, was das angeht.
    Ich glaube aber auch nicht, dass hier auf dem Thema rumgeritten wird. Zensur ist ein leidiges Thema für viele Chinesen. Das verstehe ich. Und ich sehe auch, wie China sich Stück für Stück wandelt. Aber es ist was es ist. Und darüber sollte man diskutieren dürfen – egal um welches Land es sich handelt…

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@dragonviews

Redakteurin mit dem gewöhnlichsten Namen der Welt, daher auch viel mit Autorennamen unterwegs. Bloggerin, Asiennerd, Web-Samurai & Wort-Schubserin.

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