Online-Händler in Japan dürfen sich derzeit die Hände reiben. Denn ein äußerst umstrittener Bestseller ist aus den Buchhandlungen des Landes größtenteils verbannt – online rollt dennoch der Rubel und spaltet die Nation…

„Zekka“ heißt die Biographie eines jugendlichen Serienmörders, die sich in Japan innerhalb von einer Woche nach Veröffentlichung an die Spitze der Bestseller gesetzt hat. Die meisten Buchhandlungen verzichten jedoch auf Rücksicht auf die Opfer und Angehörigen auf eine Auslage. Denn der Verlag Ohta Publishing, der das Buch am 11. Juli herausgebracht hat, zog es vor, vorab lieber niemanden über die Memoiren zu informieren. Das ist allerdings keine Überraschung. Denn die Brutalität, mit der der damals 14-jährige Täter seine Opfer tötete, war sogar Anlass dafür, das Alter für eine Strafverfolgung von 16 auf 14 Jahre herabzusetzen. So köpfte der heute 32-jährige Täter z.B. einen 11-Jährigen und legte den Kopf mit einem Notizzettel im Mund vor einer Mittelschule ab.

„Zekka“ schockiert und fasziniert die Massen

1997 soll der Täter, dessen richtiger Name nicht bekannt ist und stattdessen „Seito Sakakibara“ genannt wird, zwei Kinder getötet und drei verletzt haben. Nach einem Jahr in einer medizinischen Besserungsanstalt wurde Sakakibara auf Bewährung wieder freigelassen. Für die Opfer und deren Angehörigen der reinste Hohn. In „Zekka“ gesteht der Autor, er habe „gestörte sexuelle Fantasien“ gehabt. Bei der Leserschaft kommt das Buch unterschiedlich an. Die einen sagen, Sakakibara sei „menschlicher als erwartet“. Andere prangern an, dass er scheinbar eine ebenfalls so große Lust am Morden gehabt hätte, wie am Schreiben darüber – so kann man es in den Bewertungen auf Amazon.jp nachlesen.

Zekka erklimbt die Bestseller-Charts | Bild: Amazon.jp
Zekka erklimbt die Bestseller-Charts | Bild: Amazon.jp

Japan ist gespalten, ob dieses Buch überhaupt in den Verkauf hätte gehen dürfen. In anderen Ländern verhindern Gesetze, dass Straffällige aus ihren Taten Profit schlagen. Gelder aus Interviews, Büchern oder Filmen werden eingezogen und kommen Opfern zugute. Nun ist die Hoffnung bei einigen groß, dass dieses Buch auch in Japan die Einführung eines solches Gesetztes in die Wege leiten könnte. Andere sind einfach nur empört und rufen zum Boykott auf.

Es ist nur wieder erstaunlich, dass sich die Öffentlichkeit größtenteils von „Zekka“ distanziert, es aber dennoch scheinbar schnell eine breite Leserschaft gefunden hat – online eben. Denn auch wenn sich viele Buchhandlungen weigern, das Buch zu verkaufen, so läuft das Geschäft mit authentischen Gewalttaten prächtig. Laut „The Japan Times“ soll der Autor bislang bereits rund 110.000 Euro mit „Zekka“ verdient haben. Sakakibara soll zwar den Opfern und Angehörigen einiges davon abgeben wollen, doch ob das als Wiedergutmachung angenommen wird, ist fraglich…


via: The Japan Times