In Indien wurde eine Frau drei Jahre im Badezimmer eingesperrt, weil die Mitgift zu niedrig war | © CC McKay Savage auf Flickr

Indien: 3 Jahre eingesperrt wegen niedriger Mitgift

Eine indische Frau wurde drei Jahre im Badezimmer eingesperrt, weil die Mitgift zu niedrig war…

Einer 25-jährigen Frau in Darbhanga wurde der indische Brauch der Mitgift nun zum Verhängnis. Nach der Heirat mit ihrem Mann 2010 sollen die Schwiegereltern bereits angefangen haben, sie zu drangsalieren. Sie sollte mehr Mitgift aufbringen. Doch die kam nicht. Als die Frau dann auch noch ein Mädchen gebar, fingen die Qualen erst richtig an. Die junge Frau wurde drei Jahre lang ins Badezimmer gesperrt und durfte kein einziges Mal ihr dunkles Verlies verlassen. Verwandte von ihr wurden stets verscheucht. Doch ihr Vater gab nicht auf und überzeugte schließlich die Polizei, dass etwas nicht stimmt. Mit zerfetzten Kleidern und langen Fingernägeln wurde sie nun befreit.

„Die Frau sagte aus, dass sie ins Badezimmer geworfen und dort eingesperrt wurde. Sie durfte ihr Kind nicht sehen und bekam nur unregelmäßig Essensreste. Es war, als hätten sich ihre Schwiegereltern dafür rächen wollen, dass sie nicht genügend Mitgift aufgebracht und eine Tochter geboren hat“, hieß es von Seiten der Polizei laut „Times of India“.

Frauen in Indien und die Mitgift

Offiziell ist der alte Brauch der Mitgift in Indien verboten. Doch praktisch gehört er immer noch zum Alltag vieler Inder. Darunter leiden müssen vor allem die Frauen. Denn sie müssen eine gewisse Mitgift mit in die Ehe einbringen. Dazu zählen dann z.B. Goldschmuck, teure Stoffe und andere wertvolle Dinge. Die Mitgift sollte ursprünglich als „Rücklage“ für schlechte Zeiten dienen, hatte aber auch symbolischen Wert: An der Höhe der Mitgift erkannte man den Status der Brautfamilie. Entsprechend hoch oder niedrig war die Wertschätzung der Frau in der neuen Familie.

Inzwischen wird die Mitgift gezahlt, um Frauen überhaupt verheiraten zu können. Sie gelten in vielen Familien dann als „Eigentum“ ihrer Männer. Einen entsprechenden Stellenwert haben sie in der neuen Familie. Sie gelten als Last und haben wenig Rechte. Die Mitgift fließt direkt an die Schwiegereltern, die darin oft nicht nur eine Wiedergutmachung für die Hochzeitskosten sieht, sondern oft auch eine Einnahmequelle. Für Eltern von Töchtern ist der Druck hoch. Sie müssen ausreichend Geld auftreiben, um ihre Töchter verheiraten zu können. Das heißt für nicht wenige lebenslanges Sparen. Arme Eltern müssen sich sogar verschulden.

Die Last, eine Frau zu sein

Daher sind in Indien Söhne beliebter als Töchter. Immer noch werden weibliche Föten abgetrieben, Neugeborene ertränkt oder müssen qualvoll verhungern, da sich niemand richtig um sie kümmert. Auch wenn es Bewegungen gibt, die dies endgültig Abschaffen wollen, ist es immer noch ein Problem in Indien, Eltern davon zu überzeugen, dass sie sich auch über Mädchen freuen können. Es gibt sogar Programme mit finanziellen Hilfen. Doch das ändert nichts daran, dass die Töchter später das Elternhaus verlassen und Vater und Mutter im Alter nicht unterstützen können. Ein weiteres Argument gegen Töchter. In manchen Region gibt es sogar keine heiratsfähigen Frauen mehr. Stattdessen einen enormen Überschuss an willigen aber nicht verheiratbaren Männern.

Die Mitgift wird zum Todesurteil

Aufgrund der Mitgift kommt es immer wieder zu Familienstreitigkeiten, die teilweise sogar tödlich enden. Die Schwiegereltern pochen dann auf ihr Recht; Frauen werden bei zu wenig Mitgift misshandelt, geschlagen oder gar verbrannt. Daher ist die Mitgift offiziell seit 1961 verboten. Doch in allen Gesellschaftsschichten gibt es noch immer Anhänger von diesem Brauch, wie man sieht…


Bild: © CC McKay Savage auf Flickr
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