Frauen-Mangel in China & Indien: Der Ehe-Engpass verhindert Hochzeiten und fördert Gewalt | © rangizzz via Fotolia.com

Ehe-Engpass: China & Indien fehlen Frauen

Was passiert, wenn über Jahrzehnte hinweg Söhne „gezüchtet“ werden? Irgendwann fehlen die Frauen zum Heiraten. Insbesondere China und Indien stehen nun vor einem riesigen Problem.

Es ist eine grausame Tradition, die noch immer nicht ausgestorben ist. In China und auch in Indien bevorzugt man es, Söhne zu bekommen. Gerade bei der armen Landbevölkerung setzt man darauf, dass Söhne mitarbeiten, die Eltern im Alter versorgen können und somit ihre „Investition“ wert sind. Mädchen verlassen traditionell das Elternhaus, können nicht mit anpacken. Hinzu kommt, dass in Indien die eigentlich verbotene „Mitgift“ oft weiterhin gezahlt wird. Die Eltern müssen ihre Tochter quasi an die Schwiegereltern „verkaufen“, zahlen einen Brautpreis und geben Haushaltsgegenstände mit. Das ist teuer und kann somit in einer wahren finanziellen Katastrophe enden für Familien, die gleich mehrere Töchter haben.

Frauen in China und Indien unerwünscht?

Auch wenn sich die Ansichten bezüglich Mädchen langsam ändern, so herrscht in vielen Regionen bereits Frauenmangel. Die Ein-Kind-Politik in China ließ bis auf wenige Ausnahmen pro Familie nur ein Kind zu. „Glück“ hatte der, der einen Stammhalter bekam. Doch diesem Glück wurde oftmals nachgeholfen – auch in Indien. Da kam es durchaus vor, dass weibliche Neugeborene nicht gefüttert wurden, da man für die nächste Schwangerschaft auf einen Jungen hoffte und nur in „wertvolle“ Kinder investieren wollte. Heutzutage sollen pränatale Untersuchungen das Geschlecht des Kindes frühzeitig aufzeigen. Zwar ist dies untersagt, um weiblichen Fetozid zu verhindern, doch wer will und das Geld hat, findet noch immer einen „verständigen“ Arzt.

Laut einer BBC-Reportage gab es 2013 in China 20 Millionen mehr Männer als Frauen. In Indien waren es laut einer Bevölkerungsstatistik von 2011 sogar 37 Millionen mehr Männer. Und der Geschlechtergraben wächst von Jahr zu Jahr. Laut „The Economist“ sollen im Jahr 2050 in China pro 186 männlichen Singles nur 100 weibliche zur Verfügung stehen. In Indien sollen es 2060 191:100 sein.

Frauen in China und Indien als Mangelware

Der „Ehe-Engpass“ wird zusätzlich dadurch verschärft, dass Männer vor allem jüngere Frauen heiraten wollen, deren sozialer Status unter ihnen liegt. Wenige Männer in China und Indien wissen eine starke, erfolgreiche, gebildete Frau zu schätzen. Und Frauen mit einer guten Ausbildung wollen zunächst Karriere machen. In China gilt jedoch eine Frau, die mit 27 noch nicht verheiratet ist, als „Speiserest“ (shengnü), den niemand mehr haben will. Schwierige Zeiten für Heiratswillige.

Frauenmangel sorgt für mehr Gewalt gegen Frauen

Doch was passiert, wenn Männer keine Frauen mehr bekommen? Laut „New York Times“ soll dies der Grund für die vermehrte Gewalt gegenüber Frauen sein. Insbesondere junge Männer würden mehr Vergewaltigungen begehen, wenn akuter Frauenmangel herrscht. Wenn man Dokumentationen wie „India’s Daughter“ oder “Whores’ Glory” sieht, bekommt man einen lebhaften Eindruck davon, welche Position Frauen in asiatischen Gesellschaften einnehmen. Und je ärmer die Region, desto schlimmer ist es. Doch auch gebildete Inder sind immer noch der Meinung, dass Frauen, die nach 18 Uhr alleine außerhalb des Hauses herumlaufen, keinen Anstand besäßen und damit alles verdienen, was man ihnen antut. In China ist die Entführung von Mädchen und Frauen ein weiteres großes Problem. Teilweise werden Frauen sogar aus Nachbarländern entführt, um sie dann in China an den Mann zu bringen.

Eine höchst alarmierende Entwicklung, die noch längst nicht gestoppt wurde. Zwar gibt es Maßnahmen von Regierungen und privaten Initiativen, um z.B. mit finanziellen Anreizen den Wert von Mädchen zu erhöhen, doch bis die fruchten, ist es noch ein langer Weg. Strafen schrecken die wenigstens vom Fetozid ab. Und wer sich selbst kaum ernähren kann, bei dem fällt es natürlich auch nicht sonderlich auf, wenn da ein kleines Baby auf der Strecke bleibt. Eine schnelle Lösung für das Problem gibt es nicht – vor allem nicht, wenn in Machtpositionen noch Männer sitzen, die Frauen nur gerne am Herd und im Bett sehen.

Abwarten und auf das beste hoffen? Was denkt ihr?


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