Im Volksmund nennt man sie „Giraffenhalsfrauen“. Doch der „Giraffenhals“ der aus Myanmar stammenden Padaung beruht auf einem Mythos…

Padaung bedeutet soviel wie „von glänzendem Metall umwickelt“ und bezieht sich auf dem goldfarbenen Schmuck, den die Frauen dieser Volksgruppe um Hals, aber auch Arme und Beine tragen. Die Padaung gehören zum Stamm der Keyan und sind ein Bergvolk aus dem Südosten Myanmars. Anfang der 80er Jahre flüchteten jedoch viele aufgrund einer ethnischen Säuberung nach Thailand.

Padaung Schaudörfer: Giraffenhalsfrauen für Touristen

Dort landeten sie in „Schaudörfern“ für Touristen. Wer würde auch ein bisschen Alltag nicht einem Flüchtlingslager der UN vorziehen? Das Leben der Padaung ist jedoch sehr bescheiden und beschränkt sich auf ihr Dorf. Meist dürfen sie die Schaudörfer nicht verlassen. Daher bezeichnen viele diese Touristenattraktion auch als „Freilichtmuseum“ oder gar als „Menschenzoo“.

Für ungefähr fünf Euro bekommt der Tourist Zugang zum Dorf, wo die Frauen Handwerksarbeiten nachgehen und Souvenirs verkaufen. Touristen machen nur zu gerne Fotos mit den „Giraffenhalsfrauen“, die nur sehr ungern so bezeichnet werden.

Die Welt der Padaung ist hier eingefroren. Die Männer sind nicht mehr die Brotverdiener, übernehmen typische Frauenaufgabe und geben sich oft ihrem Frust beim Spielen oder Trinken hin. Viele Padaung würden nur zu gerne wieder in ihre Heimat zurückkehren – sofern dies möglich ist. Bis dahin haben sie die Wahl zwischen Flüchlingsleben und Zirkusattraktion.

Mythos 1: Die Halsringe der Giraffenfrauen

Die Padaung tragen im Gegensatz zu den üblichen Vermutungen nicht etwa Ringe um den Hals. Sie tragen eine Messing-Spirale, die ursprünglich 30-40cm Durchmesser hat. Sie wird über den Kopf der Frau gestülpt und dann von unten nach oben enger gedreht, sodass sie passgenau am Hals anliegt. Auch an Armen und Beinen tragen viele Padaung diese Spiralen.

Mythos 2: Der „Giraffenhals“ der Padaung

Einen „Langhals“ bekommen die Frauen durch die Spirale allerdings nicht. Im Gegenteil. Die Spirale, die am Hals bis zu 10 Kilo wiegen kann, drückt Schultern, Schulterblätter und die oberen Rippen seitlich nach unten. Dadurch wird der Oberkörper verformt und sorgt u.a. für Verstauchungen, Schulter- und Rückenprobleme. Die Halswirbelsäule wird also nicht gestreckt. Es handelt sich lediglich um eine optische Täuschung.

Mythos 3: Der Ursprung der Tradition

Warum die Padaung mit dem Tragen dieses schweren Schmucks angefangen haben, ist nicht wirklich geklärt. Die wahrscheinlichste Begründung hierfür liegt in der Angst vor Frauenraub. Männer anderer Stämme sollten dadurch abgeschreckt werden.

Laut Legende sollen die Padaung von weiblichen Drachen abstammen. Dies sollen sie mit ihrem „Panzer“ immer noch symbolisieren. Zwar tragen viele Frauen z.B. nicht mehr die schweren Spiralen an den Beine, die von den Knöcheln bis zu den Knien reichen und bis zu 20 Kilo wiegen können, doch als Schönheitsideal haben sich einige Spiralen bis heute gehalten.

Kindheit mit „Messing-Fesseln“

Mit fünf oder sechs Jahren beginnt für Padaung-Mädchen das Leben mit den Spiralen. Die Halsspirale umfasst zunächst ca. 10cm, also drei bis vier Windungen. Alle zwei bis drei Jahren wird die Spirale abgenommen und durch eine längere und somit schwerere mit mehr Windungen ersetzt. Später kommt dann eine zweite Spirale hinzu, die flacher gedreht wird und auf den Schultern liegt.

Zur Hochzeit können Padaung-Frauen bis zu 25 Windungen um ihren Hals tragen, was ungefähr einer Höhe von 30cm entspricht. Immer mehr verzichten jedoch auf den Messing-Schmuck, dessen Ansehen immer mehr zugunsten eines gesünderen und besseren Lebens schwindet.

Giraffenhalsfrauen als goldener Esel

Die Schaudörfer sind als Touristenattraktion äußerst beliebt. Die Padaung bringen Cash in die Börse von Tourveranstaltern und Tourismusamt. Auch Politiker, diverse Behörden und die Rebellenarmee in Myanmar sollen von dem Geschäft mit den Giraffenfrauen profitieren. Nur die Padaung selbst bekommen lediglich einen Bruchteil des erwirtschafteten Geldes zu sehen.

Während die Frauen mit Souvenirs und als lebende Attraktion das Einkommen der Familie sichern, erhalten die Männer lediglich eine kleine Lebensmittelbeihilfe. Das reicht gerade zum Überleben. Mit einem Verdienst pro Ehepaar von vielleicht 35 Euro im Monat kann man keine großen Sprünge machen.

Die Zukunft der Padaung

Sowohl in Myanmar als auch in Thailand ist die Zukunft der Padaung ungewiss. Immer mehr junge Frauen wenden sich von der Tradition ab, verlassen die Dörfer, um eine bessere Ausbildung zu bekommen. Sie wollen einen „normalen“ Job mit einem ausreichenden Einkommen, damit ihre persönliche Zukunft gesichert ist. Auch ältere Frauen legen immer öfter ihr „Korsett“ ab. Abgesehen davon, dass das Leben ohne die Spiralen eine echte Erleichterung ist, so gilt das einstige Trend-Accessoire längst nicht mehr als schön. Viele befürchten, als „Freaks“ angesehen zu werden, da die Tradition immer mehr zur reinen Attraktion verkommt.

Sollte man nun also diese Schaudörfer meiden? Vielleicht müssen einfach neue Wege gegangen werden, um eine alte Tradition zu entstauben und sie so zu erhalten…


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