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10 Fragen an den Dalai Lama

10 Fragen an den Dalai Lama

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Als Ricky Ray von einem amerikanischen Fernsehsender das Angebot erhielt, eine Reisedokumentation in Indien zu drehen, sagte er nur zu, weil ihm ein Interview mit dem 14. Dalai Lama in Aussicht gestellt wurde. Kaum war Ricky Ray jedoch in Indien, musste er feststellen, dass dort niemand etwas von ihm wusste – und schon gar nicht der Dalai Lama. Doch ein glücklicher Zufall spielte Ricky Ray die E-Mail-Adresse des Dalai Lama in die Hände und sein Gesuch wurde erhört: Er durfte den Dalai Lama treffen und ihm zehn Fragen stellen. Er hatte drei Monate Zeit, um sich diese Fragen genau zu überlegen. Während dieser Zeit reiste er durch Indien, machte sich auf die Suche nach Buddha, der tibetischen Kultur und der Biographie des Dalai Lama – bis er schließlich tatsächlich vor Seiner Heiligkeit sitzen durfte…

Kritik / Review

„10 Fragen an den Dalai Lama“ ist kein simples Interview, obwohl Ricky Ray zunächst über diese Form des Films nachdachte. Er kam jedoch glücklicherweise zu dem Schluss, das Interview mit geschichtlichen, kulturellen und religiösen Hintergründen zu verknüpfen. Drei Jahre verbrachte er hierfür in Archiven, um seltene und teils noch nie gezeigte Aufnahmen zu präsentieren, die u.a. den 14. Dalai Lama beim Filmen mit einer Videokamera zeigen, oder die Misshandlung von tibetischen Gefangenen dokumentieren. Insbesondere die frühen Aufnahmen, aus den 50er Jahren, beeindrucken. Aber auch Landschaftsaufnahmen und Reiseskizzen faszinieren. „10 Fragen an den Dalai Lama“ ist auch Ricky Rays Suche nach Antworten, nach den Hintergründen des buddhistischen Glaubens. Und so wirkt der Film stellenweise etwas melancholisch. Spätestens wenn der 14. Dalai Lama jedoch mit seinem schelmischen, ansteckenden Lachen zu sehen ist, sind trübe Gedanken und etwaige negative Assoziationen fast schon wieder vergessen. „10 Fragen an den Dalai Lama“ berichtet auch von der Geschichte Tibets, will jedoch keine Aversionen schüren – schon gar nicht gegen die chinesische Bevölkerung. Verständnis und Bewusstsein sollen geweckt werden und das gelingt Ricky Ray ganz gut. Lediglich Rays Verweis auf die freiwillige Selbstzensur der großen Suchmaschinen, wenn es um den Dalai Lama geht, wirkt etwas fehl am Platz – schließlich gibt es da noch ganz andere, die aus eher zweifelhaften Gründen auf kaum verständliche Forderungen eingehen, um es sich ja nicht mit dem Riesen China zu verderben. Sowohl das Interview, als auch die Hintergründe dieser ganz besonderen „Forschungsreise“ sind nicht nur informativ, sondern auch höchst interessant und bieten so einige überraschende Detailinformationen – nicht nur, dass der Dalai Lama eine E-Mail-Adresse besitzt…

Geeignet für: einen Abend voller neuer Erkenntnisse

Einschätzung: Ein faszinierendes Porträt, das hinter das Popstar-Image blickt

[xrr rating=4.0/5]

© Quelle
10 Fragen an den Dalai Lama
10 Questions for the Dalai Lama
Ricky RAY
Ascot Elite
2006
ca. 85 Min.

Darsteller
14. Dalai Lama
Tenzin Geyche Tethong (Privatsekretär Seiner Heiligkeit)
Ricky Ray

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@dragonviews

Redakteurin mit dem gewöhnlichsten Namen der Welt, daher auch viel mit Autorennamen unterwegs. Bloggerin, Asiennerd, Web-Samurai & Wort-Schubserin.

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