Bereits als Kind ist sie voller Wut und will nur eins: Rache! Aiko wächst zunächst in einem Bordell, später in einem Kinderheim auf. Ihr stechender Blick und ihre Strategie Gefallen zu wollen, zeichnen sie bereits damals aus. Daher erntet sie nur Misstrauen und Hohn. Und für jede kleine Nettigkeit wird sie sich später revanchieren…

Natsuo Kirino: Teufelskind – Kritik

Lange, lange habe ich „Teufelskind“ von Natsuo Kirino vor mich her geschoben, weil ich enorm viele schlechte Kritiken zu diesem Buch gelesen habe. Von „Die Umarmung des Todes“ war ich allerdings sehr angetan, also musste ich „Teufelskind“ irgendwann lesen und wurde nun auch dafür belohnt. Denn „Teufelskind“ ist ebenso düster und beleuchtet die Abgründe der japanischen Gesellschaft ähnlich mitreißend wie schon „Die Umarmung des Todes“. Es geht hier wieder um die weibliche Sicht die Dinge. Eine Außenseiterin, aufgewachsen in einem Bordell und bereit auch in sexueller Hinsicht alles zu tun, was ihrem Zweck dienlich ist, wird zur eiskalten Killerin – und dieses Spiel gefällt ihr ganz gut. Psychologisch durchaus interessant portraitiert Natsuo Kirino eine Seite von Frauen, die vor allem in Japan herbe Kritik hervorrief. An Spannung fehlt es dem Buch allerdings ein wenig und das Ende ist herzlich unkreativ. Aber man ist gebannt von dieser furchtbaren Frau, die eigentlich nur auf der Suche nach sich selbst ist und fragt sich, ob sie ihr Ziel erreichen wird. Nicht wirklich ein Krimi, aber mit leichten Tendenzen dahin. Lesenswert.

Aikos Augen verengten sich, und sie fragte:
„Und? Was hast du dann mit Emiko angestellt? Du hast sie doch bestimmt umgebracht. Sonst könntest du das Haus doch gar nicht so frei nutzen.“
Adam legte die Stäbchen beiseite und seufzte tief.
„Warum fragst du das nur immer wieder?“
Langsam wurde Adam wütend.
„Sie ist einfach nicht da! Sie ist mitten in der Nacht aufgebrochen und nicht wieder zurückgekommen. Sie sagte, sie müsse etwas mit dem Guru klären.“
„Dem Guru?“
„Dem Guru vom Sonnenzirkel.“
„Mit anderen Worten, sie ist tot.“

Geeignet für: Fans von düsteren Erotik-Krimis

Einschätzung: Psychologisches Profiling mit Kulturwürze

Infos zum Buch
Natsuo Kirino – Teufelskind
Goldmann, 2004
978 3 442 31165 1
Auszug: S.82/83

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