Yayoi arbeitet nachts in einer Lunchpaket-Fabrik, um sich mit ihrem Mann endlich eine eigene Wohnung leisten zu können. Doch dann erfährt Yayoi, dass ihr Mann ihr gesamtes Erspartes mit Frauen und Glücksspiel durchgebracht hat. Sie dreht durch und erwürgt ihn. Drei Frauen aus der Fabrik helfen ihr die Leiche zu entsorgen. Damit beginnt jedoch das Unglück erst. Die Polizei ist misstrauisch, ein Kredithai will mit den Damen Geld verdienen und der Tatverdächtige Satake will sich an dem wahren Mörder rächen. Es wird gefährlich für die vier Frauen aus der Fabrik…

Natsuo Kirino: Die Umarmung des Todes – Kritik

Vier Frauen entsorgen eine Leiche und hinterlassen selbst bei genauester Planung Spuren, die sie ins Verderben stürzen. Oder doch nicht? Natsuo Kirino hat mit „Die Umarmung des Todes“ einen sensationell spannenden Krimi geschaffen, der sich mit den dunklen Seiten der menschlichen Seele befasst: Die Faszination am Töten wird hier genauso aufgegriffen, wie die Lust am Schmerz, die Abgründe von Pragmatismus und Geldgier. Meisterhaft verknüpft sie die Geschichten der Täter und Opfer aus verschiedenen Perspektiven und fügt so immer wieder kleine Puzzelstücke zusammen, die in einem unerwarteten Ende gipfeln. Einfühlsam skizziert Natsuo Kirino ihre Figuren, sodass deren Handlungsweisen dem Leser gar nicht mehr so fremd erscheinen. Selbst kulturelle Aspekte, die Zwänge der japanischen Gesellschaft, lässt die Autorin so geschickt einfließen, dass sie international verständlich sind. Und doch ist die Geschichte nicht berechenbar, immer wieder überraschend. Auch wenn das Buch anfangs mit den vielen Charakteren etwas überladen scheint, so löst sich die Story zum Ende hin wunderbar auf. Sogar Krimi-Muffel werden überzeugt sein!

Den Badboden schrubbte sie einzig und allein deshalb mehrfach ab, weil sie den Luminol-Test fürchtete, falls es eventuell doch zu einer polizeilichen Untersuchung käme. Dass sie unter Verfolgungswahn leiden könnte, bedeutete eine Schmach für Masako, die alles Unvernünftige prinzipiell auszuschalten suchte.
An der Wand klebte ein Kopfhaar. Ein hartes, kurzes Männerhaar. Masako nahm es zwischen die Finger und überlegte, ob es von ihrem Mann, ihrem Sohn oder doch von Kenjis Leiche stammte. Hatte sie denn den Verstand verloren? Es war nichts weiter als ein Kopfhaar, wie man es im täglichen Leben eben jederzeit verlor, und solange man keine DNA-Analyse machte, würde niemand seine Herkunft feststellen können. Verrückt! Es war Abfall, ganz gleich ob es einem lebenden Mann ausgefallen war oder der Leiche. Sie spülte es den Abfluss hinunter. Und jagte den Verfolgungswahn gleich hinterher.

Geeignet für: alle, die ihr Leben radikal ändern wollen

Einschätzung: Immer wieder überraschend

Infos zum Buch
Die Umarmung des Todes
Natsuo Kirino
Goldmann, Taschenbuch (Sonderausgabe), Die 7 Todsünden (Wollust), 2006
3 442 46237 1
Auszug: S. 151