North Korea Undercover - John Sweeney

North Korea Undercover

Journalist John Sweeney reiste für eine Dokumentation von BBC Panorama mit einer Gruppe Studenten heimlich nach Nordkorea und wollte sich dort selbst einen Eindruck machen von dem Staat, den wir am wenigsten kennen. Acht Tage Risiko, acht Tage Überwachung, acht Tage, die vor allem mit grauen Gebäuden, sinnlosen Industrieanlagen und übermotivierten Reiseleitern gefüllt waren.

REVIEW zu „North Korea Undercover: Inside the World’s Most Secret State“

John Sweeney ist kein unumstrittener Journalist. Bei einem Interview mit Scientology ließ er sich zu einem Wutausbruch provozieren, der auf YouTube fast schon als kultig gilt. Und auch der Ton, den er in seinem Buch „North Korea Undercover“ anschlägt, wird von dem ein oder anderen sicherlich als verletzend angesehen werden. Andere vergöttern Sweeney für seinen trockenen Humor, seine zynischen Bemerkungen und seinen fast schon legendären Sarkasmus. Doch er nennt die Dinge bei Namen und schafft damit Bilder, mit denen man als Leser etwas anfangen kann. Ein Arbeitslager ist für ihn ein Konzentrationslager, das koreanische System eins, dass auf eine „reine Rasse“ abzielt – wie bei den Nazis.

Sweeney ist streitbar und übertreibt es ganz sicherlich. Doch seine Eloquenz und interessanten Abschweifungen in die Geschichte, sowie die Vergleiche mit anderen Regimes sind spannend und informativ. Viele kritisieren, dass Sweeny in „North Korea Undercover“ zu wenig von seiner eigentlichen Reise berichtet. Doch: Was gibt es zu berichten, wenn man stets überwacht wird und nur begrenzt recherchieren kann? Niemand wird so dumm sein, sich in die nichtvorhandenen Büsche zu schlagen und geheime Interviews führen zu wollen, die nicht nur die Crew, sondern auch die Bürger in größte Gefahr bringen. Zudem ist „Nordh Korea Undercover“ nicht „das Buch zur Doku“, sondern soll Hintergründe aufzeigen.

Insofern ist der Titel des Buches – „North Korea Undercover“ – vielleicht ein wenig irreführend. Das Buch lehnt sich an die BBC-Dokumentation an und gibt durchaus Einblicke in die Tour – für sich die sich die BBC übrigens entschuldigen musste, da sie Studenten einem großen Risiko ausgesetzt hat. Doch acht Tage Reisebeobachtungen füllen kein Buch. Und so tut Sweeney das, was er als Journalist eben tut: seine Erfahrungen mit Kontext verknüpfen. Und das ist sehr gelungen. Ich habe bereits einiges über Nordkorea gelesen und habe immer noch viel Neues entdecken können. Das findet man sicherlich auch in anderen Büchern, aber hier ist es gut aufbereitet – wenn man mit Zynismus klarkommt.

Kleine Warnung: Sweeney ist sehr eloquent. Man sollte also ein gehobenes Englisch sprechen, um dem Buch auch folgen zu können.

The real ideology of the DPRK is racial purity. That’s perhaps why the regime has lasted so long, because what it believes in fits snugly with something in the North Korean psyche. To be fair, in a society so closed off from the outside world that few people know the Americans have walked on the surface of the moon, the chance of them realizing they have been told a big lie is slim.

North Korea Undercover: Inside the World’s Most Secret State

John Sweeney
Corgi Books, 2013
978-0-552170-345
Auszug: S.65

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