Die japanische Anrede hält gerade für Westler eine besondere Herausforderung parat: Ehrentitel! Verwirrung ist da garantiert. Doch wie heißt es denn nun wirklich? Wann werden japanische Ehrentitel wie -san, -chan oder -sensei genau genutzt?

Die „richtige“ japanische Anrede

Die Japaner legen großen Wert auf gute Umgangsformen. Dazu gehört auch die richtige Anrede. Der Vorname wird daher nur genutzt, wenn die Gesprächspartner eine besondere Nähe zueinander haben. Ansonsten gilt das Ansprechen mit Vornamen im Japanischen als unhöflich.

Im alltäglichen Umgang wird daher oft der Familienname zur Ansprache genutzt. Doch egal ob Vor- oder Nachname — in der Regel wird im Japanischen an den Namen noch ein Ehrentitel angehängt, der den Beziehungsstatus zwischen den Gesprächspartner widerspiegelt. Auch Berufsbezeichnungen können als Anrede genutzt werden.

Für sich selbst nutzt man keine Ehrentitel. Auch bei guten Freunden können diese entfallen.

Beispiele: Herr Takano -> Takano-san, Lehrer Takano –> Takano-sensei, Harumi –> Harumi-chan etc.

Anrede im Alltag

-kun 君

Die Anrede „kun“ wird meist für Jungen gebraucht. Es kann aber auch vorkommen, dass ein älterer Kollege den jüngeren als „kun“ bezeichnet. Der Angesprochene ist dabei aber IMMER männlich.

-chan ちゃん

„chan“ wird dagegen meist für Mädchen genutzt, da es meist für etwas „Niedliches“ (Kawaii) gebraucht wird. Auch für Männer/Jungen kann „chan“ genutzt werden, wenn es sich z.B. um enge Freunde handelt. Die Beziehung ist bei „chan“ recht eng bis intim. Ihr solltet allerdings darauf verzichten, Menschen, die älter sind als ihr, mit „chan“ zu betiteln, da es weniger respektvoll klingt als andere Anredeformen im Japanischen. Auch Haustiere kann man z.B. mit „chan“ anreden.

-tan たん

„tan“ ist eine weitere Verniedlichungsform im Japanischen, die für Babys oder auch in Mangas für besonders süße Mädchen benutzt wird.

-san さん

Mit „san“ ist man (fast) immer auf der sicheren Seite. Es ist die Standardanrede für Personen, denen man nicht nahe steht — egal, ob jünger, älter, männliche oder weiblich. Auch Tiere können mit „san“ betitelt werden.

Respektvolle Anrede im Japanischen

-senpai/-sempai 先輩

Bei Menschen, die älter als man selbst sind oder besonderen Respekt verdienen, nutzt man „senpai“ — für Frauen und Männer. Das gilt insbesondere für Kollegen. Aber auch in der Schule und in der Uni. Das Gegenstück zu „senpai“ ist „kohai“. Dies wird jedoch nicht als Titel genutzt. Stattdessen kommt „kun“ zum Einsatz.

-sensei 先生

Lehrer, Ärzte, Kampfsporttrainer oder andere Autoritätspersonen bezeichnet man als „sensei“. Auch ohne Namen kann „Sensei“ als respektvolle Anrede im Japanischen genutzt werden.

-hakase 博士

„hakase“ ist die japanische Variante eines Doktortitels und entspricht dem akademischen Titel.

Distanz wahren im Japanischen

-shi 氏

Vor allem im Schriftlichen oder in den Medien kommt „shi“ zum Einsatz. Es gilt als höflicher als „san“, sodass man es z.B. zur Ansprache von Politikern nutzt und dabei recht neutral bleibt.

-sama 様

„sama“ ist um einiges höflicher als „san“ oder „shi“ und wird meist für Personen genutzt, die weit über einem stehen, z.B. für Götter und Könige. Aber auch Kunden werden im Japanischen mit „sama“ betitelt. Kleiner Hinweis: „sama“ gilt als überbetont höflich und wird weniger im Alltag gebraucht. Pikant: Wird „sama“ nach dem Vornamen gebraucht, bekommt es einen erotischen Unterton. Das findet man oft in Mangas. „Kisama“ findet man dagegen eher in Yakuza-Filmen und heißt so viel wie „Bastard“.

-dono 殿

Recht altbacken klingt „dono“ heutzutage. Es wurde vor allem im feudalen Japan genutzt und heißt so viel wie „Fürst“. In historischen Serien und Anime hört man es noch recht häufig und wird dort ungefähr so genutzt sie „sama“. Es ist etwas höflicher als „san“, wird aber kaum noch genutzt — schon gar nicht in der Alltagssprache.

Die japanische Anrede ist zwar nicht so einfach wie in anderen Sprachen, aber mit ein bisschen Verständnis dafür, wie wichtig Distanz und Respekt im Japanischen sind, gut zu meistern. Die Faustformel für die japanische Anrede lautet: Im Zweifelsfall immer „san“. Verniedlichende Formen werden nur für jüngere genutzt. Alle Autoritätspersonen haben eine besondere Stellung und verdienen damit auch einen Ehrentitel.

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