Machisus Vater ist ein erfolgreicher Bankier und seines Zeichens unkundiger Kunstliebhaber. Und da der Sprössing so gerne malt, ist das Kunststudium in Frankreich bereits beschlossene Sache. Doch als Machisus Vaters erst bankrott geht und ihn dann noch als Waise zurücklässt, ist die bereits beschlossene Karriere als großer Künstler in Gefahr. Für Machisu macht das jedoch keinen Unterschied. Er glaub an sein Talent, malt und zeichnet, was das Material hergibt, folgt Trends, besucht Kurse und findet schließlich sogar eine Frau, die seine Projekte mit Leib und Seele unterstützt. Der große Durchbruch bleibt jedoch ein Traum und so bleibt Machisu nichts anderes übrig, als bis zum Äußersten zu gehen…

Mit “Achilles and the Tortoise” (also: Achilles und die Schildkröte) hat sich Kitano Takeshi dieses Mal einen etwas schwerfälligen Stoff vorgenommen: den Kunstbetrieb. Es geht darum, wo Kunst anfängt, wo sie aufhört und ob “Erfolg” wirklich ein Indikator für Kunst ist oder nicht. Kritisch folgt der Film dem jungen Machisu, dessen Traum es ist, Künstler zu werden. Ein Naturtalent soll er sein, so heißt es, aber der Erfolg will sich selbst nach Jahren intensiven und absurden Studiums nicht einstellen. Und Machisu treibt es weiter auf die Spitze. Mit Kommilitonen wagt er aberwitzige Experimente und schafft es später sogar, seine Ehefrau in sein surreales Treiben einzubinden. Seit Anfang an ist sein Streben jedoch fremdbestimmt, seine Kunst orientiert sich ausschließlich an anderen – dass das kein gutes Ende nehmen kann, ist klar… Ein Kunstbetrieb, der sich ausschließlich am Erfolg orientiert und nicht am Schaffen, wird zum skurrilen Auswuchs einer übersättigten Gesellschaft. So schafft Kitano mit “Achilles and the Tortoise” eine Tragikkomödie, die nachdenklich macht und zum Schmunzeln verleitet. Wirklich brillante Bilder vermisst man jedoch in diese Streifen. Dafür ist Kitanos Kritik zu früh zu klar definiert. Viele Anleihen hat man anderswo bereits gesehen. Das Thema Autismus wird nebenbei einfach in die Geschichte geschmissen, ohne dass sie einen wirklichen Zweck verfolgt – außer, um sich selbst auf die Schippe zu nehmen. An solchen Stellen gibt es dann selbst für Kitano-Verhältnisse ein wenig zu viel unstrukturierte Symbolik, die den Film lediglich in die Länge zieht. “Achilles and the Tortoise” ist ein kleiner, amüsanter Film, wenn man Kitano mag und sich prinzipiell mit dem Thema Kunst arrangieren kann. Auf andere wird der Film dagegen eher schwerfällig und ermüdend wirken.

Geeignet für: alle, die gerne Experimente wagen
Einschätzung: Kreatives Schaffen trifft auf intellektuell gequälte Symbolik

[xrr rating=2.5/5.0]

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© Quelle
Label: Bandai / Office Kitano
Jahr: 2008
Länge: ca. 119 Minuten

Infos zum Film
Titel: Achilles and the Tortoise
Regie: Kitano Takeshi
Originaltitel: Akiresu to kame
Kategorie: Filmkritik / Japan
Genre: Drama / Komödie
Alter: ab ca. 16 Jahre

Darsteller
Kuramochi Machisu (Erwachsener): Kitano Takeshi
Sachiko: Higuchi Kanako

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