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Yoyogi Park: Japan-Krimi

Die Leiche einer jungen Frau im Tokioter Yoyogi Park ruft Inspektorin Yuka Sato und ihr Team auf den Plan. Doch irgendetwas stimmt nicht mit der „Lolita“… Zusammen mit ihrem Assistenten Nakashima geht Sato auf Spurensuche. Dabei findet sie außer einem niedergestochenen Pathologen gleich noch vier weitere Leichen. Keine schlechte Bilanz für… drei Tage! Die Zeit drängt. Denn der Killer ist immer näher als man vermutet…

REVIEW zu „Yoyogi Park: Japan-Krimi“

Es wird oft unterschätzt, ist aber die größte Herausforderung eines Autors: die Perspektive einzuhalten. Leider ist bei „Yoyogi-Park“ genau das nicht der Fall. Zwischen dem Krimigeschehen wird der Roman immer wieder zum Sachbuch: erklärt, erklärt, erklärt. Grundsätzlich ist das bei einem Japan-Krimi durchaus wünschenswert. Doch muss der Blickwinkel stimmen. Welche japanische Polizistin würde beim Nachhausegehen schon über kulturelle Erklärungen grübeln, die nur für einen nicht Japan kundigen Leser interessant sind? Oder noch besser: Stadtentwicklung! Die Perspektive wechselt. Jedesmal entsteht ein kleiner Bruch in der Erzählung, die ansonsten vielleicht ein guter Japan-Krimi geworden wäre. Was machen andere Autoren bei solch einem Dilemma? Sie erzählen aus der Perspektive heraus, die sie selbst am besten kennen: aus der eines Ausländers / Fremden. Ein Beispiel hierfür ist z.B. Sujata Massey mit ihrer Rei-Shimura-Reihe. Ein Nury Vittachi schafft es meisterlich, stets in seiner „Rolle“ zu bleiben.

Das hat zudem den Vorteil, dass sich der Autor in den Anmerkungen zum Buch nicht für sein „Halbwissen“ (Zitat) entschuldigen muss, das Japan-Kennern natürlich während des Lesens bereits ins Auge gesprungen ist. Entweder bleibt man auf rein fiktionaler Ebene oder man nimmt eine Perspektive ein, die authentisch und nicht „halbwegs angelesen“ wirkt. Sicherlich weiß Andreas Neuenkirchen viel über Japan. Umso tragischer ist es, dass er sich bei „Yoyogi Park“ so verrannt hat. Die meisten Erklärungen zur japanischen Kultur sind für Interessierte sicherlich schön zu lesen – mit Ausnahme zu den Kendo-Passagen vielleicht, die man so wirklich nicht stehen lassen dürfte. Aber „Yoyogi Park“ soll ja ein „Japan-Krimi“ sein, kein Kulturführer mit außergewöhnlich rotem Faden – obwohl das mal eine Überlegung wert wäre…

Schade. Wirklich schade. Wer noch wenig über Japan gelesen hat und auch wenig Erfahrung hat mit Krimis, die von japanischen Schriftstellern geschrieben wurden, dem springen diese Mängel vielleicht nicht so direkt ins Auge, weil die Freude überwiegt, ein Buch voller japanischer Pop-Kultur in den Händen zu halten, das zudem noch die Klischees bedient, die wir so an Japan und den Japanern lieben. Liest man am Ende jedoch all die Relativierungen, sollte das eher ernüchtern. Ambitioniert, bemüht, aber eben auffällig „zusammengehäckselt“. Kein guter Auftakt zu einer vierteiligen Reihe… Einen Extrapunkt gibt es allerdings für die interessanten „sachlichen“ Erklärungen…

1997 wurde die Science-Fiction-Zeichentrickserie Neon Genesis Evangelion zu einem Sensationserfolg. Einige Geschäfte in Akihabara boten Merchandising-Artikel an und kamen der Nachfrage schon bald kaum noch hinterher. Immer mehr Serien versuchten dann ihr Glück als crossmediale Marketingkonzepte, und Akihabara war der Ort, der davon am meisten profitierte. Auch das erste Maid Café war ursprünglich als einmalige Werbeaktion für ein Videospiel gedacht gewesen, kam jedoch so gut an, dass daraus eine feste Einrichtung mit unzähligen Nachahmern wurde.

Yoyogi Park: Japan-Krimi

Andreas Neuenkirchen
Conbook Medien, 2014
978-3-9431-7662-9
Auszug: S.86

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