Yoko Ogawa - Liebe am Papierrand

Liebe am Papierrand

Nur in der Stille findet sie Ruhe… Eine junge Frau leidet an einem mysteriösen Ohrleiden. Frisch aus dem Krankenhaus entlassen, nimmt sie an einem Interviewtermin von einem Fachmagazin teil und lernt dort einen Stenographen kennen, der sie mit seinen Handbewegungen sofort fasziniert. Er bringt das aufs Papier, was sie selbst nicht ohne ihn ausdrücken könnte. Damit kommt sie ihrem Leiden Schritt für Schritt auf die Spur. Doch der Stenograph hat nur begrenztes Papier zur Verfügung…

Review zu Yoko Ogawas „Liebe am Papierrand“

Zauberhaft! Und wieder so eine Geschichte von Yoko Ogawa, die mit „Stille“ glänzt. Eine junge Frau hat ein Ohrleiden, das sie selbst nicht genau bezeichnen kann. Hat es etwas mit der Trennung von ihrem Mann zu tun? War es schon immer irgendwie da? Laute und Worte sind schwer zu ertragen. Doch als sich ihre ungewöhnliche Beziehung zu einem Stenographen entwickelt, kommt auch Licht in ihre Krankheitsgeschichte. Sensibel und mit verzaubernden Vergleichen erzählt Yoko Ogawa die Geschichte einer Frau, die ins Wanken geraten ist. Ihr Ohrleiden spürt man selbst mit jedem Wort. Und auch ihre Trauer, ihren Verlust spürt man als Leser deutlich. „Liebe am Papierrand“ ist ein wunderbares Buch, das sich trotz seiner Ungewöhnlichkeit nahtlos in den Alltag einfügt und Spuren hinterlässt. Schön!

Absolute Funkstille hatte geherrscht. Da er mich aus eigenem Entschluss und ohne das Problem anzusprechen verlassen hatte, hätten wir eigentlich einiges zu bereden gehabt. Aber in der besonderen Stille, die im Zimmer einer Gehörkranken herrscht, duckten sich die Worte und kauerten reglos wie hilflose, verirrte Kinder in einem Versteck. Wir warteten beide, dass der andere den Anfang machte.

Infos zu Buch
Yoko Ogawa – Liebe am Papierrand
Aufbau, 2015
Auszug: S.33
978 3 7466 3123 3

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