Banana Yoshimoto: Tsugumi

Maria und ihre Cousine Tsugumi wachsen zusammen in einem kleinen Städtchen auf Izu auf. Die von jeher angeschlagene Gesundheit von Tsugumi und die damit verbundenen Attitüden des Mädchens bestimmen das Leben der Familie. Launisch, mürrisch, frech bis unverschämt oder einfach böse gibt sich Tsugumi gegenüber ihrer Familie. Ein besonders beliebtes Opfer ist ihre Cousine Maria -bis ein Vorfall die beiden zusammenschweißt. Langsam beginnt Maria das Ausmaß von dem in Tsugumi herrschenden Chaos zu begreifen. Bevor Maria dann mit ihrer Mutter nach Tokyo umzieht, verbringt sie noch einen Sommer an der See -bei Tsugumi. Dort machen sie die Bekanntschaft von Kyoichi, und Tsugumi verliebt sich in den Jungen und seinen Hund. Doch dann wird Tsugumis unbeherrschbarer Jähzorn auf die Probe gestellt…

Banana Yoshimoto: Tsugumi – Kritik

Die Liebe eines Sommers, die Liebe zum Meer und die Liebe zum Leben thematisiert Banana Yoshimoto in „Tsugumi“. Genauso wild wie das Mädchen Tsugumi ist auch die Sprache -leider nur mit mäßigem Erfolg. Rebellierende Teenager sind eben nicht nur schwer zu verstehen, sondern auch schwer zu erfassen. Ohnehin können Teenagerliebe und Pubertästprobleme nicht jedem Leser schmackhaft gemacht werden. Doch auch wenn dem ein oder anderen der Zugang zu Yoshimotos Welt des Erwachsenwerdens verschlossen bleibt, so schafft die Autorin es, die Sehnsucht nach „Meer“ zu wecken. Der Duft der See, das Rauschen der Wellen -Nordlichter fern der Heimat werden dann doch etwas wehmütig an ihre Jugendtage zurückdenken und sich im Internet Elbkiesel und Astra bestellen…

Bald darauf setzten wir unseren Heimweg fort. In nur zehn Minuten würden wir vier Frauen uns zu Hause in gemütlicher Runde den Kuchen genehmigen, der gerade im Fahrradkorb durchgeschüttelt wurde. Die Szene war schon zum greifen nah. Im Hintergrund läuft der Fernseher, es riecht nach Tatami. Die gute Stube ist hell erleuchtet, meine Mutter und Tante Masako sitzen schon da, wir rufen «Wir sind zurück!» und treten ein. Wie gehabt wird Tsugumi uns mit Schimpf und Schande empfangen, etwa so: «Mir steht euer blöder Freikuchen bis hier! Kann man ja nicht fressen, das Zeug! Müsst ihr das denn ständig anschleppen?», um sich dann ungefähr drei auserlesene Stücke Kuchen zu grabschen und damit in ihrem Zimmer zu verschwinden. Das war immer so. O-Ton Tsugumi: «Bei eurer albernen Familienidylle kommt einem ja die Kotze hoch!»

Geeignet für: Spät- und Niepubertierte

Einschätzung: Jede Menge Ärzte und Teenagerliebe

Info zum Buch
Banana Yoshimoto – Tsugumi
Diogenes, 1997
3 257 22973 9
Auszug: S.59/60

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