Masako Togowa: Trübe Wasser in Tokio

Trübe Wasser in Tokio

Der zwanzigjährige Akio versucht, Selbstmord zu begehen und landet daraufhin in einer psychiatrischen Klinik. Dr. Uemura soll herausfinden, warum der junge Mann den Lebensmut verloren hat und macht eine seltsame Entdeckung: Akio gesteht den Mord an einer Frau, der er Avancen gemacht und die ihn abgelehnt hat. Doch bei der Polizei weiß niemand etwas von dem Mord und Uemura untersucht den Fall auf eigene Faust. Und schließlich findet er Frau Owada — doch die ist quicklebendig und erzählt eine ganz andere Geschichte, die Uemura ebenfalls höchst merkwürdig erscheint…

Masako Togawa: Trübe Wasser in Tokio – Kritik

Togawa Masako („Der Hauptschlüssel“, „Schwestern der Nacht“) entspinnt in „Trübe Wasser in Tokio“ ein faszinierend gesponnenes Lügennetz. Ein junger Mann gesteht einen Mord, doch das Opfer lebt und benimmt sich verdächtig unauffällig wie eine Protagonistin aus einem Hitchcock-Film. Und ebenso raffiniert präsentiert sich die verzwickte Kriminalgeschichte um einen neugierigen Psychiater, einige fehlgeleitete junge Leute, eine coole Schönheit und einen erfolgreichen Piloten, der langsam den Verstand zu verlieren scheint. Alle werden irgendwie durch gesellschaftliche Orientierungslosigkeit und sexuelles Verlangen aneinander gebunden. Zwei Generationen agieren hier, die im Nachkriegsjapan ihren Weg verloren haben. Mit viel Gespür für düstere Nuancen und fein abgestimmten Charakterstudien hat Togawa Masako mit „Trübe Wasser in Tokio“ Mitte der 70er Jahre einen spannenden Krimi mit Tiefgang geschaffen, der den Leser packt und bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Einfach klasse.

«Haben Sie meinen Mann schon wiedergesehen?» Sie brachte den Tee herein. Ihre Stimme klang freundlich. «Heute habe ich nicht mit Ihrem Mann, sondern mit Professor Miyakawa gesprochen. Er lehrt an Akio Tannos Universität. Kenn Sie ihn eigentlich?» «Nein.» Sie wandte mit sanfter Miene den Kopf ab. Das ist nicht wahr!, schrie ich lautlos. Sie kennen die Frau des Professors. Gut möglich, dass sie Sie heute gar besucht hat… Mein Blick saugte sich an der geschlossenen Schlafzimmertür fest. «Ich habe Ihre Gedichte gelesen. Der weiße Sommer. Das Buch, das Sie mir neulich geliehen haben.» Neue Taktik. «Und wie finden Sie es?» «Die Gedichte sind interessant, aber am meisten hat mich die Tatsache beeindruckt, dass Sie das Buch einer Frau namens Fumiko gewidmet haben.» «Sie sind ein merkwürdiger Mensch», sagte sie mit ausdruckslosem Gesicht und schenkte mir eine Schale Tee ein.

Geeignet für: Fans cooler Protagonisten und vertrackten Gesellschaftsstudien

Einschätzung: Ein Krimiklassiker mit Psychofaktor

Infos zum Buch
Masako Togawa – Trübe Wasser in Tokio
Unionsverlag, 2003
3 293 20252 7
Auszug: S. 88

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