Musashi

Matahachi und Takezo beschließen, sich im Jahre 1600 bei der Schlacht von Sekigahara Namen als gefürchtete Samurai zu machen. Doch die vom Land stammenden ungestümen Nachwuchssamurai suchen bereits nach kurzer Zeit ihr Heil lieber in der Flucht, als für Land und Ehre in den Tod zu gehen. Und kurz darauf trennen sich ihre Wege: Während Matahachi es vorzieht, nicht nach Hause zurückzukehren, wo er sich um seine Verlobte Otsu und seine Familie zu kümmern hätte, geht Takezo genau diesen Weg. Er zieht in sein Heimatdorf und wird dort von dem Mönch Takuan durch eine List gefangen genommen. Doch dies erweist sich als Glücksfall. Takezo wird begnadigt und ändert seinen Namen. Als Musashi macht er sich auf den beschwerlichen Weg des Schwertes und macht sich so bald einen Namen als Samurai. Unterdessen gammelt Matahachi, zerfressen vom Neid, in Teehäusern herum. Als er dann noch erfährt, dass seine einstige Verlobte Otsu in Musashi verliebt ist, wird der Freund zum Feind, und auch Matahachis Mutter hat noch eine Rechnung mit Musashi offen…

Wer „Shogun“ von James Clavell mochte, wird diesen Samurai-Schmöker lieben, der zeitlich direkt nach dem amerikanischen Bestseller spielt. Opulent ausgestattet mit allem, was sich ein Leser wünschen könnte -Liebe, Abenteuer, Schwertkämpfe, Rache, Intrigen, innere Kämpfe, philosophische Gedanken -gilt „Musashi“ als das „Vom Winde verweht“ Japans. Oft zäh und emotional überschwänglich, wird Yoshikawas Ode an einen Meister-Schwertkämpfer, den es tatsächlich gab, aber nicht jeden Leser überzeugen: Die endlose Suche Musashis nach dem wahren Weg des Samurais, die in der vorliegenden Ausgabe über knapp 800 Seiten führt, stellt die Geduld des Lesers auf eine harte Probe. Die Fortschritte des in Japan legendären Samurais sind minimal, und auch in Sachen Liebe erweist sich Musashi nicht unbedingt als entschlussfreudig. Wer aber genügend Zeit und Ausdauer hat, sich diesem Kampf zu stellen, sollte es dennoch tun. In Japan ist die Geschichte Musashis ebenso bekannt wie im Westen die von König Artus und zählt daher zur Kulturgeschichte. Es ist in Japan auch nicht unüblich, Figuren des Romans mit lebenden Personen zu vergleichen, so dass das Lesen dieses Schmökers auch zum kulturellen Verständnis dienen kann.

Denshichiros Hacken hinterließen eine dunkle Linie von etwa neun Fuß Länge, als er den Platz freimachte, auf dem Musashi landen sollte. Musashi jedoch schoss zwanzig oder dreißig Fuß die Veranda entlang, ehe er hinunter sprang. Dann, nachdem sie, das Schwert noch immer in der Scheide, einander misstrauisch beäugten, verlor Denshichiro den Kopf. Er zog unvermittelt blank und schlug zu. Sein Schwert war lang, gerade richtig für seine Körpergröße. Mit erstaunlicher Leichtigkeit fuhr es durch die Luft und landete haargenau dort, wo Musashi gestanden hatte. Musashi war schneller als das Schwert, noch größer freilich war die Schnelligkeit, mit der sein Schwert blitzend aus der Scheide sprang. Es sah aus, als stünden die beiden Kämpfer so nahe beieinander, dass keiner Schaden nehmen konnte, doch nachdem das Licht eine Weile auf den Schwertern getanzt hatte, machten beide ein paar Schritte rückwärts. Einige spannungsgeladene Augenblicke vergingen. Schweigend und regungslos standen die beiden Widersacher da, die Schwerter starr in der Luft, spitze gegen Spitze, wohl aber an die neun Fuß voneinander entfernt.

Geeignet für: Liebhaber fernöstlicher Schwertkämpfer-Romanzen

Einschätzung: Opulentes Weichspül-Abenteuer mit vielen Nebenspielplätzen

[xrr rating=2.5/5]

Autor/in: YOSHIKAWA Eiji

© Quelle
Verlag: Knaur
Ausgabe: Taschenbuch
Jahr: 1987
ISBN: 3 426 01517 X
Auszug: S. 373

Infos zum Buch
Titel: Musashi
Autor/in: Yoshikawa Eiji
Genre: Roman
Thema: Geschichte / Samurai / Kultur
Kategorie: Buchkritik / Japan

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One Comment

  1. Ich denke, das Urteil "Weichspül-Abenteuer" ist nicht ganz fair. Sicher stehen Abenteuer im Vordergrund, diese sind aber vergleichsweise ernst und idealistisch dargestellt. Wäre die Geschichte kontrahiert, und würde weniger Geduld beanspruchen, wäre das Abenteuer ja nun auch nicht unbedingt anspruchsvoller. Auch muss man es einem Roman nicht negativ anlasten, wenn darin traditionelle Liebesverhältnisse vorkommen; ich habe dabei das Gefühl, dass gerne mit zweierlei Maß gemessen wird. Manchmal gilt sowas als gelungen und angemessen (es kommt auch auf die Epoche an), ein andermal wird sowas aber angelastet oder dem Kitsch-Faktor zugerechnet. Wo da die Grenze liegen soll, ist selten ersichtlich.
    Ich muss dazu sagen, dass ich erst die ersten zwei "Bücher" gelesen habe (übrigens in der Original-Übersetzung auf Englisch), dass ich es aber für ein gut geschriebenes Werk halte. Es beansprucht, wie gesagt, zwar manchmal die Geduld (mal liest es sich wie ein Geschichtsbuch, mal geht es sehr langsam voran), aber die gelungenen Charakterisierungen und Handlungsgeschehnisse, haben mich noch immer entschädigt und überzeugt.

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