Sujata Massey: Die Tochter des Samurai

Die Tochter des Samurai

Die Halbjapanerin Rei Shimura fliegt zu Weihnachten ins heimische San Francisco und verbringt die Feiertage dort mit ihrem schottischen Verlobten Hugh. Während Rei für ein Familiengeschichtenprojekt recherchiert, muss Hugh an einer Sammelklage arbeiten, die schon bald sehr viel Aufmerksamkeit erregt: Er will ein japanisches Unternehmen verklagen, das während des Krieges Zwangsarbeiter und Trostfrauen ausbeutete. Ein heikles Thema -auch bei den Shimuras. Als dann auch noch eine von Hughs Mandantinnen ermordet wird, ist Reis Interesse geweckt. Sie recherchiert selbst nach ihrer Rückkehr nach Tokyo weiter an dem Fall und begibt sich dabei wieder einmal in prekäre und äußerst gefährliche Situationen…

Sujata Massey: Die Tochter des Samurai – Kritik

Nicht jedes Thema, das gerade „IN“ ist, sollte auch wirklich in jedes Buch hineingepresst werden. Sujata Massey hat sich mit dem Thema „Trostfrauen und Zwangsarbeiter“ gehörig übernommen. Rei, die sich ansonsten so geflissentlich auf die Mördersuche begibt, verheddert sich im Schwulst japanischer Geschichte und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht -obwohl des Rätsels Lösung doch so offensichtlich ist. Nach einigen lauen Ablenkungsmanövern und halbherzigen Liebesgeplänkeln zwischen ihr und ihrem Verlobten Hugh (ja!) muss Rei dann zum Schluss gehörig zaubern, um dann noch irgendwie die Kurve zu kriegen. Sicher, Massey hat über Trostfrauen (Sexsklavinnen in japanischen Armeebordellen während des zweiten Weltkrieges) recherchiert -die Geschichte von „Die Tochter des Samurai“ wuchert dennoch ins Unendliche und Unglaubliche ab. So gräbt Rei einen ultranationalistischen Urgroßvater aus, der irgendwie für Pearl Harbour verantwortlich war und einer, der ihr nahesteht, erweist sich als Kriegsverbrecher, der am Massaker von Nanjing (China) teilgenommen hat -ja, klar, geplante Aha-Momente für die amerikanische Leserschaft… Hinzu kommt noch eine Schatzsuche, ein lästiger „Freund“ und ein zwielichtiger Chef -alles ziemlich wirr gestaltet und dennoch so einfach zu durchschauen. Schade, mit ein wenig mehr Bescheidenheit hätte aus „Die Tochter des Samurai“ sicherlich wieder ein unterhaltsamer Shimura-Fall werden können. So erweist sich Rei jedoch als kopfloses Huhn, die zu sehr an ihrem Liebsten hängt und wenig von ihrem eigensinnigen Elan beweist. Nur selten gibt es amüsante oder spannende Momente -nur etwas für wahre Shimura-Fans.

«Wieso schreibt er so etwas?», fragte Tom. «Kaiser Meiji hat das Shogunsystem abgeschafft, das Japan meiner Meinung nach zu etwas Besonderem machte. Warum sollte Urgroßvater dem Kronprinzen nichts über Tokugawa und die anderen beibringen?» «Da kommen deine Samuraiwurzeln durch», sagte ich. «Im frühen zwanzigsten Jahrhundert waren weder Samurai noch Shogune das Vorbild, sondern Kaiser Wilhelm. Und die für Hirohitos Ausbildung Verantwortlichen hielten wohl Kaiser Meiji für das Ideal, weil er die Russen in einem Seekrieg bezwang und gern auch Korea erobert hätte, wenn ihm nicht das Geld ausgegangen wäre.»
«Was du alles weißt! Ich habe mich seit der Aufnahmeprüfung für die Uni nicht mehr mit japanischer Geschichte beschäftigt. Und auch damals habe ich nur Namen und Daten gepaukt und mir nie einen echten Überblick verschafft.»
«Japanische Geschichte war Teil meiner Abschlussprüfung, und die ist ja noch nicht so lange her.»
«Vater scheint auch eine Menge zu wissen, aber offenbar hielt er die Geschichten nicht für wichtig genug, um davon zu erzählen. Danke, dass du nachgefragt hast, Rei. Es würde mich nicht wundern, wenn wir irgendwann noch zu einer Tour durch den Kaiserpalast eingeladen würden.»

Geeignet für: alle, die von Shimura-san nicht lassen können

Einschätzung: Historisch aufgeblasener Kulturkrimi im Weichspülgang

Infos zum Buch
Sujata Massey – Die Tochter des Samurai
Piper, 2008
978 3 492 25125 9
Auszug: S.157/158

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