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Die Kurtisane und der Samurai

Sehr schnell muss die hübsche Hana erfahren, was es heißt, als Kurtisane in Tokios berüchtigtem Vergnügungsviertel Yoshiwara zu arbeiten. Vor feindlichen Soldaten flieht die junge Frau eines Samurai in die Stadt und landet irgendwie in Yoshiwara – dort, wo Frauen Männern mit reichlich Geld ihre ganz speziellen Dienste anbieten. Zunächst wehrt sie sich gegen ihr Schicksal. Doch dann steigt sie zu Yoshiwaras begehrtester Kurtisane auf. Als sie sich an ihr neues Leben bereits gewöhnt hat, taucht der mittellose Samurai Yozo auf, der ihr Herz stiehlt und damit neue Hoffnung gibt…

„Die Kurtisane und der Samurai“ ist zur Hälfte ein typischer Schmachtfetzen: Eine junge, hübsche Frau wird an ein Bordell verkauft, kämpft sich durch und findet dann die große Liebe. Zeitgleich wird jedoch auch die Geschichte des idealistischen Marinesoldaten Yozo erzählt, der bis zum Schluss tapfer gegen den Süden und damit für die Neueinsetzung des Shoguns kämpft. Er muss sich nicht nur im Kampf seinen Feinden stellen, sondern auch seinem Gewissen. In anderen Worten: Es geht um militärische Action, Politik, Freundschaft – und zum Schluss natürlich auch die große Liebe. Nach 2/3 des Buches treffen Hana und Yozo dann auch endlich aufeinander. Bis dahin zieht sich die Geschichte immer wieder ein wenig, weil Lesley Downer zwei doch sehr konträre Handlungsstränge hier nebenherlaufen lässt. Für historisch Interessierte ist das Setting sicherlich recht anschaulich dargestellt. Was die Hintergründe zu Yoshiwara und den Kurtisanen angeht, so konnte Lesley Downer in gewissem Sinne sogar auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Sie besichtigte die Handlungsorte vor Ort und ließ sich sogar als Geisha ausbilden („Die letzte Konkubine“), sodass sie zumindest tiefe Einblicke in die japanische Kultur und die Rolle der Frau gewinnen konnte.

Das Buch ist genau der richtige Lesestoff für Fans von Arthur Goldens „Die Geisha“ oder anderer kulturell verzierter Romantic Novels. Wer sich jedoch mit Militär und Politik so überhaupt nicht anfreunden kann, wird bei der Geschichte von Yozo ins Gähnen kommen. Zum Schluss fügt sich jedoch alles ineinander ein und die Passagen von Hana geben der Story auch den nötigen Drive, um die mitfühlende Leserin bei der Stange zu halten. Im direkten Vergleich mit „Die Geisha“ weist „Die Kurtisane und der Samurai“ jedoch sowohl inhaltliche als auch strukturelle Schwächen auf. Wenn es ein Buch davon sein soll, dann lieber „Die Geisha“. Wer einfach von dem Thema nicht genug bekommen kann, der kann beruhigt zu „Die Kurtisane und der Samurai“ greifen und es sich auf der Lesecouch bei einem Tässchen grünem Tee gemütlich machen.

Hana machte ein paar unsichere Schritte. Nicht mal an ihrem Hochzeitstag hatten so schwere Gewänder auf ihr gelastet. Unbeholfen drehte sie sich um, wagte sich kaum im Spiegel anzuschauen. Als sie es schließlich tat, verschlug es ihr den Atem. Sie war zu einer bemalten Puppe geworden. Da war überhaupt nichts von ihr – und sie war es doch. Sie hatte sich in einen Farbholzschnitt ihrer selbst verwandelt, kein Mensch, sondern ein bemaltes Abbild.
Hinter Maske bin ich immer noch Hana, versicherte sie sich entschlossen. Aber trotzdem konnte sie sich des Gefühls der Faszination nicht erwehren. Ihr kam es fast vor, als hätte sie ihr altes Selbst abgestreift und zurückgelassen wie ein Schmetterling, der aus seinem Kokon schlüpft. Sie war nicht mehr Hana, nein, sie war überhaupt nicht Hana. Sie war eine völlig neue Person.

Geeignet für: alle, die von Geishas und Kurtisanen nicht genug bekommen können

Einschätzung: Kultureller Schmachtfetzen mit Militäraction

[xrr rating=3.0/5]

© Quelle
Verlag: C.Bertelsmann
Ausgabe: Hardcover
Jahr: 2011
ISBN: 978 3 442 31206 1
Auszug: S.102/103

Infos zum Buch
Titel: Die Kurtisane und der Samurai
Autor/in: Lesley Downer
Genre: Roman
Thema: Gesellschaft / Liebe / Krieg
Kategorie: Buchkritik / Japan

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