Arimasa Osawa: Der Hai von Shinjuku - Sodom und Gomorrha

Der Hai von Shinjuku: Sodom und Gomorrha

Oberkommissar Samejima ist berüchtigt für seine Unberechenbarkeit und sein aufsässiges Verhalten. Egal ob Yakuza oder Kollege, Samejima lässt illegale Machenschaften niemandem durchgehen. Stur verfolgt er seine eigene Linie und wird deshalb auf die geschäftigste Polizeidirektion in ganz Tokyo versetzt: Shinjuku. Und dort herrscht das Chaos: Ein Serienkiller hat es auf die Beamten dieses Bezirks abgesehen. Samejima ermittelt auf eigene Faust und trifft auf einen alten Bekannten – ein Waffenspezialist, der noch eine alte Rechnung mit Samejima zu begleichen hat. Doch dies ist nicht die einzige Gefahr, der sich der eigenwillige Cop aussetzt…

Arimasa Osawa: Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha – Kritik

„Der Hai von Shinjuku: Sodom und Gomorrha“ ist ein klassischer „Guter Bulle geht aufs Ganze“-Krimi. Durch den Polizeialltag desillusioniert, entschließt Samejima, der eigentlich für eine schnelle Karriere vorgesehen war, sich dem System entgegenzustellen und allein seinem Gewissen zu verpflichten. Kompromisse gibt es da nicht. Wen wundert es da, dass sich der junge Wilde bei Gangstern und Kollegen gleichermaßen unbeliebt macht. Selbst die Yakuza macht einen großen Bogen um Samejima, lediglich einige wenige Idealisten und Freundin Sho, eine rotzige Rocksängerin, halten zu ihm. Der Krimi, der im Herzen Tokyos spielt, ist durchweg spannend erzählt, hält einige unerwartete Perspektivwechsel bereit und unterhält mit ungewöhnlichen Charakteren, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen. Und abgesehen von einem nahezu genial gestalteten Cover, das sich toll auf jedem Gabentisch macht, bietet der „Hai von Shinjuku“ einen Cop, nach dem man süchtig werden kann. Ein Bulle wie Schimanski – nur noch cooler. „Sodom und Gomorrha“ ist der Auftakt zu einer Krimireihe, die in Japan inzwischen neun Romane umfasst und hoffentlich auch in Deutschland fortgeführt wird. Schwachpunkt: Die Übersetzung ist hier und da etwas holprig.

«Da wir für eine Weile hier zugange sein werden, dachte ich nur, ich lasse mich mal sehen.»
«Ach, so nach dem Motto, wenn du mich demnächst auf dem Flur siehst, grüße gefälligst?»
«Disziplin ist nicht das Schlechteste. Wenn du willst, hole ich dich in die Soko. Mit ein bisschen Glück kannst du von da in unsere K1 springen, kein popeliges Dezernat in irgendeiner Direktion, sonder in unsere Tokyoter Mordkommission.»
Samejima tat so, als ob er überlegen würde, zündete sich eine Zigarette an, inhalierte und blies Koda eine fette Rauchwolke ins Gesicht. Angewidert trat der einen Schritt zurück. «Rauchst du immer noch?»
«Verpiss dich!»
«Wie bitte?» Koda wurde blass.
«Ich hab zu tun. Und deshalb: Verpiss dich!»
«Zwanzig Jahre, um endlich Rat zu werden, oder, wenn du Pech hast, den Rest deiner Tage als Oberkommissar verbringen, ist das dein Ziel?» «Mein Ziel geht dich einen feuchten Kehricht an.»
Koda beugte sich vor. «Für dich, mein Lieber, bin ich nicht „du“. Für dich bin ich „Herr Oberrat“. Und leg dir gefälligst eine höflicheren Ton zu. Vergiss nicht, ich konnte dich noch nie leiden. Vergreif dich noch ein einziges Mal mir gegenüber im Ton, und ich sorge dafür, dass dieser miese Eingreiftrupp deine Endstation ist. Dann kannst du dich den Rest der Zeit mit Dealern und Fixern vergnügen.»

Geeignet für: alle, die Schimanski vermissen

Einschätzung: Kettenrauchender Pitbull mit weichem Kern

Infos zum Buch
Arimasa Osawa
Der Hai von Shinjuku – Sodom und Gomorrha
Cass, 2005
3 980902 22 9
Auszug: S.83

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