Sujata Massey: Der Brautkimono

Der Brautkimono

Die junge amerikanisch-japanische Antiquitätenhändlerin Rei Shimura soll im Auftrag eines japanischen Museums einige Kimono als Kurier nach Washington bringen und dort an einem Museum einen Vortrag darüber halten. Doch der zunächst willkommene, gut bezahlte Nebenjob entpuppt sich mehr und mehr als Alptraum. Ein Brautkimono verschwindet spurlos, eine Mitreisende, die Rei der Tat verdächtigt, wird ermordet in einem Müllcontainer vor einem Einkaufszentrum gefunden. Und: Zu allem Unglück fällt Rei der örtlichen Polizei mehrmals unangenehm auf -und gilt nun als verdächtig. Da ist Rei ausnahmsweise einmal froh, dass ihr nicht nur ihre Eltern, sondern auch ein alter Bekannter zur Seite stehen und ihr helfen, den Fall aufzuklären.

Sujata Massey: Der Brautkimono – Kritik

Die Kriminalromane von Sujata Massey findet man (zumeist) in der Abteilung „Frauenkrimis“, die sich in den Bibliotheken oft in „gebührendem Abstand“ zu den „normalen“ und Skandinavienkrimis finden -bei diesem Exemplar weiblichen Spürsinns jedoch vollkommen ungerechtfertigt! Auch wenn Rei Shimuras Gefühls- und Beziehungschaos schamlos unerotisch, die aufgetragene Kleidung ihrer Mutter zeitlos unpassend und ihr bübischer Charme unsagbar unsexy wirken, so ist die Amerikanerin mit japanischen Wurzeln in ihren kriminalistischen Schlussfolgerungen äußerst zielgenau und widersetzt sich dabei immer wieder erfolgreich den gängigen Vorurteilen gegenüber Halbasiaten im Allgemeinen und Frauen im Besonderen. Streitsüchtig und sturköpfig erweist sich Rei Shimura auch wieder in „Der Brautkimono“, indem sie der steifen japanischen Gesellschaft ihre Qualitäten als professionelle Antiquitätenhändlerin beweisen will und wieder nur im Chaos versinkt. Die Anwesenheit ihrer Eltern, die ihren „freizügigen“ Lebenswandel skeptisch beobachten, macht es der Endzwanzigerin nicht unbedingt leichter, sich gegen Mord-, Diebstahls- und Prostitutionsvorwürfe zu behaupten. Aber mit genügend Selbstironie, Temperament und einem, zwei, oder hier sogar drei Männern an ihrer Seite, beweist Rei Shimura, dass auch Frauenkrimis ungemein unterhaltend und spannend und geschlechtsunspezifisch empfehlenswert sein können.

Meine Mutter strahlte. «Nachdem du weg warst, Schatz, haben wir uns bei einem Glas Wein sehr intim unterhalten. Ich habe ihr gesagt, wie enttäuscht ich darüber war, dass Rei unbedingt in Japan arbeiten wollte, wo alles so schwierig ist. Daraufhin meinte Allison, es tue ihr sehr leid, dass sie den Hochzeitskimono, den du verloren hast, nicht in Verwahrung nehmen konnte.»
«Sie hat gesagt, ich hätte ihn verloren?»
«Ja», antwortete meine Mutter nach kurzem Nachdenken. «Ich glaube, sie hat von einem „verlorenen Kimono“ gesprochen. Jedenfalls hat sie mir erzählt, dass er nicht in der Versicherungspolice des Museums enthalten ist und du möglicherweise für den Verlust geradestehen musst. Ich glaube, sie wollte herausfinden, ob Daddy und ich bereit wären, dir finanziell unter die Arme zu greifen. Sie hat gesagt, sie macht sich Sorgen deinetwegen.»

Geeignet für: Fans amerikanischer Malls und alle, die die Wahrheit über die Bequemlichkeit japanischer Kimono erfahren wollen

Einschätzung: Für den Krimi-Quickie zwischendurch

Infos zum Buch
Sujata Massey – Der Brautkimono
Piper, 2004
9 783492 270786
Auszug: S.271

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