Banana Yoshimoto - Moshi Moshi

Yotchan ist entsetzt: Ihr Vater soll mit einer fremden Frau zusammen Selbstmord begangen haben. Ein Schock – auch für die Mutter, die daraufhin bei Yotchan einzieht. Wenig begeistert ist Yotchan davon, aber beide arrangieren sich. Nun muss jeder für sich entscheiden, was der Tod des Vaters für Konsequenzen hat…

Review zu Banana Yoshimotos „Moshi Moshi“

Der Vater ist Tod, die Mutter zieht ein – zwei Ereignisse, die die Protagonistin in „Moshi Moshi“ doch schwer beschäftigen. Mit dem Einzug der Mutter findet sie sich widerwillig ab, da diese vor dem „Geist“ ihres toten Mannes flieht. Die Umstände des Todes ihres Vaters bereiten Yotchan größere Bedenken. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Und so müssen Mutter und Tochter ihren ganz eigenen Weg finden, um mit dem Tod umzugehen. Die Mutter emanzipiert sich, die Tochter geht in sich.

„Moshi Moshi“ ist in vielerlei Hinsicht sehr typisch für Banana Yoshimoto. Der Tod, der „Geist“ des Vaters, ein Gespann, das sich nicht gesucht, aber gefunden hat, die etwas merkwürdige Beziehung zu einem Mann – all das kennt man bereits aus anderen Büchern von Banana Yoshimoto. Leider erkennt man auch ein weiteres Muster, auf das Yoshimoto gerne zurückgreift. Wie schon in „Der See“ macht sie die Protagonistin in ihrem Tun zu einem eher selbstzentrierten Menschen – andere sprechen sie jedoch zu einer Heiligen. Kaum nachvollziehbar – zumal es ja auch okay ist, wenn Menschen sich nicht immer für andere aufopfern. Nur sehen sich gerade die Japaner gerne so und das kommt auch hier wohl zum Ausdruck. Schade. Ansonsten ein schönes Buch mit der üblichen Thematik.

Anmerkung: „Moshi Moshi“ sagt man in Japan übrigens am Telefon zur Begrüßung.

„Du hast deine Mutter gesehen und dir Sorgen gemacht, nicht wahr? du hast gedacht, du musst dir für sie Gedanken machen. Aber so funktioniert das nicht. Selbst wenn uns jemand noch so nahesteht, kann man nicht stellvertretend für diese Person denken. Trotzdem finde ich dein Mitgefühl gut, das bist einfach du. Du machst dir unablässig Sorgen um andere, willst etwas für sie tun, und man möchte fast weinen, wenn man sieht, wie sehr du dich aufreibst.“

Infos zum Buch
Banana Yoshimoto – Moshi Moshi
Diogenes, 2015
Auszug: S.257
978 3 257 06931 0

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