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Von Geisha-Girls, Okiyas und Maikos: Geishas – Eine aussterbende Tradition

Geishas sind traditionelle japanische Unterhalterinnen. Oft werden sie aufgrund der nach dem zweiten Weltkrieg auftauchenden “Geisha-Girls” oder Nachahmerinnen für leichte Mädchen oder gar Prostituierte gehalten. Doch die Tradition der Geishas ist bereits 400 Jahre alt und bezieht sich ausschließlich auf die klassischen japanischen Künste. Ihre Perfektion in Gesang, Tanz oder auch Musizieren (vor allem auf dem lautenähnlichen Shamisen) sind berühmt. Aber nichts schätzt der Geisha-Kunde so sehr wie eine gepflegte Unterhaltung. Oft mit Zoten und Wortspielen geschmückt, haben sich Geishas auf die leichte Art der Unterhaltung spezialisiert. Große Reden überlassen sie anderen und außerhalb ihrer Arbeit gelten sie als besonders verschwiegen.

Die Ausbildung einer Geisha ist langwierig und verspricht inzwischen auch nicht mehr die finanziellen Vergünstigungen, wie früher einmal. Japans Elite setzt immer mehr auf Hostessen, sodass die Anzahl der praktizierenden Geishas Jahr um Jahr schwindet.

Geishas wohnen zusammen in »Okiyas« (Geisha-Häuser), die von Geisha-Müttern geleitet werden. Diese finanzieren auch die kostspielige Ausbildung ihrer Schützlinge. Insbesondere Kimono, die zu jedem Anlass und der Jahreszeit passen müssen, sind teuer. Aber auch Kalligraphie- und Ikebanakurse verschlingen ein kleines Vermögen. Eine gut ausgebildete Geisha kann ihre Okiya bis zu 500.000 USD kosten, bevor sie für ab 500 USD ihre Kunden perfekt unterhalten kann. Das Geld geht an die Okiya. Dafür waren die Geishas meist ihr ganzes Leben an ein einziges Geisha-Haus gebunden. Sie konnten allerdings auch freigekauft oder an andere Häuser verkauft werden. Zudem gibt es ein Exklusivrecht, dass sich Gönner, sogenannte »Dannas«, erkaufen können -ein lukratives Geschäft für Geisha und Okiya. Gerne verbanden sich diese Beziehungen dann mit einer Liebschaft. Grundsätzlich ist es Geishas jedoch nicht erlaubt zu heiraten. Erst nach dem Ausscheiden aus ihrem Beruf dürfen sie sich offiziell an einen Mann binden. Der Brauch der »Mizuage« (Verkauf der Jungfräulichkeit) ist berüchtigt, war aber keinesfalls ein überall gepflegtes Ritual. Und auch das Teilen des Bettes mit einem Kunden nach der Ausbildung (Kopfkissengeld), wurde nur in wenigen Häusern als “Kann” zugelassen. Grundsätzlich waren Kontakte zu Männern nur unter strikt regulierten Rahmenbedingungen zugelassen.

Besonderes Prestige genießen die sogenannten Shimbashi- und Akasaka-Geishas. Ihre fließenden Bewegungen im Gang, ihre künstlerischen Fähigkeiten und besonders elegantes Aussehen heben sich von den Touristen-Geishas ab, die oft noch nicht einmal die Kunst der traditionellen Aufmachung beherrschen. Die aufwendige Steckfrisur angehender Geishas wird in der Regel einmal in der Woche gebunden und darf sich dann nicht mehr lösen. Sie wird daher besonders fest gebunden und resultiert oft in einem mehr oder weniger schweren Haarverlust an bestimmten Stellen. Die angehenden Geishas schlafen auf einem speziellen Gestell, das ihren Nacken hebt und so die Frisur schütz. Die jungen Mädchen tragen dazu meist einen recht auffälligen, farbigen Kimono -der Gürtel (»Obi«) wird hinten gebunden und erfordert die Hilfe einer zweiten Person. Bereits erfahrene Geishas hingeben tragen eher dezente Farben und dürfen ihre Haare in einer schlichten Steckfrisur tragen. Touristen-Geishas, oder auch “Hot Springs Geishas”, die ihre Dienste teilweise auch nachts anbieten, tragen dagegen Perücken, sind oft grell geschminkt. Sie tragen den Obi vorne gebunden (um die Kleidung z.B. für Aufführungen schnell wechseln zu können) und beherrschen auch die traditionellen Künste nur mäßig.

Heute sieht man Geishas vor allem zu Festen, wie dem Kirschblütenfest, auf den Straßen von Kyoto oder Tokyo umhertrippeln. Der eng am Körper anliegende Kimono erlaubt keine großen, plumpen Schritte. Schätzungsweise soll es in ganz Japan noch knapp 75.000 Geishas geben, doch immer weniger Frauen lassen sich zur Geisha ausbilden oder brechen die ca. 5-jährige Ausbildung ab.


Bild: Anja Schmidt / DragonViews

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