"Scar City" von Shreyas Rajagopal

Geld, Sex, Drogen – Rish und seine Freunde haben alles und auch wieder nichts. In der Supermegapole Bombay machen sie die Nächte durch, schießen sich ab und kennen kein Morgen. Als Rish vom College im Ausland eine selbstgewählte Pause einlegt und nach Bombay zurückkehrt, weiß er sehr genau, wie zerstörerisch diese Stadt sein kann. Und dennoch gleitet er nahtlos wieder hinein, in sein altes Leben, das nur temporär vergessen lässt…

Review zu „Scar City“

Wilde Partys und volles Risiko? Eher stumpfes Abschießen und Egal-Mentalität. Bei „Scar City“ trifft das auf sämtliche Protagonisten zu. Sie sind leer, oberflächlich, zeigen keine Entwicklung, bemitleiden sich selbst, weil sie mit Vollgas auf den Abgrund zurasen und dabei ja nur „ein Produkt ihrer Zeit“ sind. Schuld und Verantwortung kennen sie nicht. Selten gibt es Figuren die gleichermaßen unsympathisch und irrelevant sind wie in diesem indischen „Enthüllungsroman“.

Shreyas Rajagopal will die „ungeschnittene“ Wahrheit über Bombays Jugend zeigen und langweilt den Leser damit zu Tode. Eine Party nach der anderen, Drogen, Blackout, Tod, Vergewaltigung und Verzweiflung – das ist der Stoff, der spannend hätte sein können. Nicht so hier. Es sind unendliche Litaneien darüber, wie fruchtbar doch alles ist – nur, um dann ohne einen weiteren Gedanken alles zu wiederholen. Andere Bücher haben dieses Thema wesentlich besser umgesetzt. Vielleicht fehlt den Figuren einfach etwas etwas Charakter – denn selbst labile Persönlichkeiten haben normalerweise irgendetwas, das sie ausmacht.

„Scar City“ ist eines dieser Bücher, die versucht vom Schockeffekt zu leben. In Indien mag das ziehen – bei uns eher weniger. Und wie die Figuren selbst, so wird auch ihr exzessives Leben eher oberflächlich beschrieben. Eine simple Nacherzählung muss zum Schluss reichen – dort, wo Shreyas Rajagoplal die perfekte Gelegenheit vergibt, Lesern und Figuren einen bleibenden Schock mit dem Holzhammer zu verpassen. Schade. Da hatte ich mir sehr viel mehr erwartet…

„Ich brauchte einfach eine Auszeit“, sagt er, und dann „Schätze, die Stadt hat mir einfach gefehlt.“
„Was genau hat dir denn gefehlt, Rish? Diese scheiß Stadt mit ihrem scheiß Verkehr und den scheiß falschen Leuten? Gibt’s am College nicht genug für dich zu poppen, oder warum kommst du zurück und jagst hinterfotzigen Schlampen wie Pooja nach?“
„Ich dachte, sie ist deine beste Freundin?“
Divya lässt das lange in der Luft hängen.

Infos zum Buch
Scar City
Shreyas Rajagopal
Ullstein, Hardcover
2014, 978 3 550 08064 7
Auszug: S.90

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