Peabody geht in die Knie

Peabody geht in die Knie

Normalerweise kümmert es die englischen Behörden wenig, wenn sich die Inder gegenseitig abmurksen. Doch Inspektor Peabody, seines Zeichens schwergewichtiger und wenig sittsamer Ermittler, sieht in dem blau gefärbten und zerstückelten Leichnam, der im Trog eines Färbers entdeckt wird, eine echte Abwechslung. Unruhen, Korruption und Inkompetenz beherrschen sonst seinen Alltag in der britischen Kronkolonie Indien. Ein zweiter Mordfall, der an einem britischen Ingenieur, verlangt Peabody jedoch einiges ab: Der Gouverneur selbst scheint in den Fall verwickelt und auch Ehefrau und Nichte des Verstorbenen sind nicht unverdächtig. Was steckt wirklich dahinter und gibt es einen Zusammenhang mit dem ersten Mord?

Inspektor Josaphat Mencius Peabody ist kein Jüngling mehr, hat demnach auch nichts mehr zu beweisen. Ein Grund mehr, warum Peabody Respekt, Scham und gutes Benehmen gerne einmal über Bord wirft und sich mit seinem schwergewichtigen, schwitzenden Leib auch in „Peabody geht in die Knie“ an holde Fräuleins, bestechliche Beamten und aufmüpfige Kriminelle stürzt. Nicht immer mit Erfolg, aber immer mit einem gewissen Charme, den nur ein redsames Ekel versprüht. In „Peabody geht in die Knie“ zeigt sich Peabody wieder einmal von seiner besten Seite. Seinem sehr eigenwilligen Charakter folgend, schließt er beinahe Freundschaft mit einem morbiden Leichenbeschauer, macht sich Feinde in Unterwelt und Politik und kämpft wieder gegen Hitze und Krankheit – und natürlich seinen Trieben… Spannend im Sinne eines Krimis ist Patrick Bomans Roman allerdings weniger. Es geht um sittsame und unsittsame Figuren, die vor der Szenerie des kolonialen Indiens in ungünstige Verwicklungen verstrickt werden. Und genau diese Figuren machen „Peabody geht in die Knie“ höchst unterhaltsam. Wer auf Mord und Totschlag, ausgefeilte Krimi-Plots und klare Schwarz-Weiß-Malerei steht, sollte zu einem anderen Buch greifen. Alle, die sich auch mit unkonventionellen Helden anfreunden können, dürfen getrost einmal mit Peabody in die Knie gehen.

Dennoch entschied er sich, noch ein Stück weiterzugehen, und brüllte: „Unzüchtige Kreatur! Horizontale! Messalina! Ich weiß es! Er hat sie gebumst, dieser Zuchteber! Nichts geht über einen gutenStoß mit dem Schieber, nicht wahr, besonders in Ihrem Alter, man weiß ja nicht, wann sich die Gelegenheit wieder bietet!“

Mrs. Parker verlor das Bewusstsein, und die Kätzchenstickerei fiel zu Boden. Beschämt stahl Peabody sich davon, nachdem er mit einem Wink, der diskret sein wollte, einen Dienstboten herbeigerufen hatte. Grummelnd verfluchte er sich dafür, viel zu weit gegangen zu sein.

Geeignet für: liebenswerte Trottel und zwiegespaltene Erben des Fluchs

Einschätzung: Originell, mitreißend, verwirrend

Autor/in: Patrick BOMAN

© Quelle
Verlag: Unionsverlag
Ausgabe: Taschenbuch
Jahr: 2007
ISBN: 978 3 293 20406 5
Auszug: S. 59
Infos zum Buch
Titel: Peabody geht in die Knie
Autor/in: Patrick Boman
Genre: Roman / Krimi
Thema: Krimi / Kultur / Indien
Kategorie: Buchkritik / Indien

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