Krishna Baldev Vaid: Tagebuch eines Dienstmädchens

Tagebuch eines Dienstmädchens

Shano arbeitet als Dienstmädchen in Delhi. Als sie ein Heft geschenkt bekommt, entdeckt sie das Schreiben für sich und hält ihren Alltag in einem Tagebuch fest. Humorvoll spottet sie über „molchige“ Männer, erfasst glasklar, warum sie immer ein Dienstmädchen bleiben wird und sieht voller Entsetzen, wie ausweglos die Liebe sein kann.

Buchkritik zu „Tagebuch eines Dienstmädchens“

Krishna Baldev Vaid lässt in „Tagebuch eines Dienstmädchens“ ein junges, indisches Mädchen zu Wort kommen und das wirkt äußerst authentisch. Sie lernt Englisch und entdeckt nicht nur neue Wörter, sondern auch sich selbst und erfasst damit umso klarer die Umstände, in denen sie lebt. Sie schildert die reichen Haushalte Delhis, die Klatsch-und-Tratsch-Szene der Dienstmädchen, und schildert die Schattenseiten der strikten Konventionen der indischen Gesellschaften und ihrem Kastenwesen.

„Tagebuch eines Dienstmädchens“ ist ein Buch das mit Schlichtheit in eine faszinierende Kultur einführt und sich dabei den Problemen, Sorgen und Hoffnungen eines jungen Mädchens annimmt. Nicht immer ist das besonders aufregend, aber interessant und oft voller Klarheit, angereichert mit witzigen Episoden. Das Buch ist eher etwas für Leser, die sich nicht nur für Indien, sondern die Probleme von Frauen interessieren. Nicht jede Frau ist hier ein Opfer, so wie man es in den Nachrichten oft sieht, aber sie können leicht dazu werden. Bildung und Aufklärung ist hier der erste Schritt und das begreift auch die Protagonistin dieses Buches sehr schnell.

Verbrannte Gesichter sehen schrecklich aus. Und die Leute fragen dauernd, was passiert ist. Das hat Jharna sich wahrscheinlich alles überlegt und sich dann fürs Erhängen entschieden. Aber über solche Dinge denkt man normalerweise nicht lange nach. Die meisten Frauen verbrennen sich. Nicht die meisten, nur die armen. Die, die mit Kerosin kochen. Reiche Frauen töten sich normalerweise mit Gift. Oder mit Schlaftabletten. Sie überleben oft oder werden gerettet. Wie lange Jharna wohl schon darüber nachgedacht hat, sich zu erhängen? Ohne was zu sagen.

Tagebuch eines Dienstmädchens

Krishna Baldev Vaid
Unionsverlag, 2014
978-3-293-20647-2
Auszug: S.117

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