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Die Hüterin der Gewürze

Die Inderin Tilo führt einen kleinen Laden in Kalifornien. Doch das ist kein gewöhnlicher Laden. Hier herrschen die Gewürze. Sie können in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken, können heilen, aber auch zerstören. Tilo will heilen – ihre Landsleute, die in dieses Land gekommen sind, um ihr Glück zu finden und doch auf so viele Probleme und Missverständnisse treffen. Und eine Zeit lang scheint es, als würden Tilo die Gewürze gehorchen, ihr helfen. Doch dann ist Tilo verführt, ihre eigenen Regeln zu brechen und einen Moment an sich selbst zu denken. Ob ihr das die Gewürze verzeihen?

REVIEW / KRITIK

Es ist schon ein wenig mühsam, sich durch „Die Hüterin der Gewürze“ durchzulesen. Einerseits ist die Welt der Gewürze sehr exotisch und auch die Legenden, die sich darum ranken sind spannend. Das Buch erzählt von den Träumen und Wünschen von indischen Einwanderern, aber die der Hüterin Tilo selbst. Dabei ist die Protagonistin sehr reflektiert – um nicht zu sagen „weise“. Das nimmt der ganzen Geschichte viel von ihrer emotionalen Stärke. Tilo ist kühl, zurückgezogen und genau das Gegenteil von ihren Gewürzen, die sie immer wieder ausgiebig beschreibt und anruft. Diese Abschottung ist so gewollt und Voraussetzung für eine „Hüterin der Gewürze“. Doch das macht das Buch trotz opulenter Schilderungen ferner Orte und schicksalhafter Begegnungen immer wieder recht eintönig und zäh. Zwischendurch gibt es zwar lichte Momente, aber wer auf Feinheiten achtet und sich nicht gleich von der exotisch anmutenden, immer wieder höchst tragischen Geschichten der Involvierten, einlullen lässt, kann sich „Die Hüterin der Gewürze“ getrost sparen. Indienfans, die von allem, was aus Bollywood kommt, total begeistert sind, werden diesen Einwandererroman mit Liebesanleihen dagegen zweifelsfrei grandios finden. Für sie sind auch kleine Romanzen mit dabei…

Adrak, Ingwer, steh mir bei.
Ich lasse die Scheiben in einen Topf mit kochendem Wasser fallen und sehe zu, wie sie in einem langsamen Wirbel aufsteigen und sinken, aufsteigen und sinken. Wie Leben, die in einem Karma-Rad gefangen sind. Dampf erfüllt meine Küche, klammert sich an meine Wimpern, so dass es mir schwerfällt, etwas zu erkennen. Dampf und dieser wilde Geruch, der an ausgerissenes, gekautes Bambusgras erinnert und der noch lange Zeit in meinem Sari verweilen wird.
Goldener Ingwer, den der Heiler Charak benutzte, um das Feuer wieder zu entzünden, das im Bauch schwelt, möge dein leuchtendes Brennen mein träge dahinfließendes Blut beschleunigen. Draußen wirft sich Amerika gegen die Wände meines Ladens und ruft mit seiner vielzüngigen Stimme. Gibt mir die Kraft, zu antworten.

Geeignet für: eingefleischte Indienfans ohne Skrupel vor ausgedehnten Beschreibungen

Einschätzung: Exotisch, aber lantatmig

[xrr rating=2.0/5]

© Quelle
Verlag: Diana
Ausgabe: Taschenbuch
Jahr: 2002
ISBN: 978 3 453 15014 7
Auszug: S.165/166

Infos zum Buch
Titel: Die Hüterin der Gewürze
Autor/in: Chitra Banerjee Divakaruni
Genre: Roman
Thema: Schicksal / Gesellschaft / Amerika / Einwanderer
Kategorie: Buchkritik / Indien

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