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Bombay Quartett

In vier Geschichten erzählt Dilip Chitre von einer modernen indischen Gesellschaft. In „Saphir“ ist der Protagonist von dem blauen Edelstein besessen – trotz der bösen Omen, die sein Besitz verheißt… In „Rudhiraksha“ leidet der Ich-Erzähler an stets wiederkehrendem Gedächtnisverlust und verliert sich in einer Welt, die ihm bekannt und verwirrend zugleich ist. Zwei ungleiche Freunde treffen in „Vollmond im Winter“ dann auf eine alte Kommilitonin, die den beiden einen unangenehmen Abend bereitet. Und in „Abrahams Notizbuch“ schweift der Protagonist durch Drogen ab in seine Kindheit…

REVIEW / KRITIK

Dilip Chitre berichtet über eine multi-religiöse Bevölkerung Indiens, und Bombays im Besonderen, die so gar nicht in die Klischees der Bollywood-Schnulzen hineinpasst. Seine Helden rauchen, kiffen, nehmen harte Drogen, irren ziellos umher, haben hemmungslos Sex – oder träumen zumindest davon – und meistern ihr Leben dennoch mehr oder weniger erfolgreich. Gesellschaftliche Zwänge, alte Legenden und der Mythos Indien werden hier gnadenlos auseinander genommen. Dabei bewegt sich Dilip Chitre zwischen Poesie und Alltagsschnodder – in einem Satz beschreibt er den Körper einer Frau leidenschaftlich blumig und spricht dabei sämtliche Sinne des Lesers an, im nächsten Satz verblüfft er mit ungeschönter Wirklichkeit und klaren Worten. Eine Mischung, die ungewöhnlich und dennoch angenehm zu lesen ist. Lediglich „Rudhiraksha“ wirkt durch seine Länge etwas langatmig – ansonsten präsentiert Dilip Chitre mit „BombayQuartett“ lebendige Stories, die eine ganz andere, sehr persönliche Seite des modernen Indiens präsentieren. Nettes Extra: Fremdsprachige Begriffe werden in einem Glossar erklärt.

Dann spürte ich von Mal zu Mal deutlicher ihre Nähe. Gekleidet in einen weißen Nylon-Sari. Eng mit seinem Saum umwickelt, wirkten ihre Brüste nicht besonders mächtig, aber immer noch fest. Brüste wie wilde Mangos, gut gewölbt, straff, klein. Brustwarzen, groß wie Rosinen, doch voller. Ihr Bauch war noch schwach ausgeprägt, flach. Ihre Taille zerbrechlich dünn. Darunter volle, gerundete, gut geformte, doch kleine Hüften und weiter unten fein gedrechselte Schenkel, Waden, ebenmäßige Füße. Ich hatte diesen Körper jahre- und aberjahrelang gekannt. Als hätte ich die Augen geschlossen und ihn mir selbst gemeißelt, so genau erkannte ich mit gespannten Fingern jede seiner Wölbungen wieder.

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Dilip Chitre
Bombay Quartett
Hardcover
A1
2002
3 927743 61 5
Auszug: S.15
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