Singles Day in China - Ein Herz für virtuelle Liebe | © CC Owen Benson via Flickr

Tag der Singles: Ein Herz für virtuelle Liebe

Der Tag der Singles, Guanjunjie, hat in China für einen neuen Trend gesorgt. Immer mehr Singles „mieten“ sich einen virtuellen Partner.

Guanjunjie, übersetzt „Junggesellenfest“ oder „Fest der einzelnen Stäbchen“, wird in China alljährlich am 11. November gefeiert. Dieses Datum wurde gewählt, um mit den vielen Einsen den Singlestatus zu symbolisieren. Der Feiertag ist zwar noch längst nicht so bekannt wie Valentinstag, wird aber immer populärer. Einst an einer Universität entstanden, verbreitete sich der Brauch, sein Singledasein zu feiern, immer weiter durchs ganze Land. Heute wird nicht nur mit Singlepartys und Karaoke gefeiert. Auch Kaufhäuser und Unternehmen sind auf den Brauch aufmerksam geworden und stellen für den Single von heute eine ganze Produktpalette an Dingen zur Verfügung, die man natürlich unbedingt kaufen sollte. So z.B. das Singlekissen, das dem Arm eines 1,80 Meter großen Mannes nachempfunden ist.

Tag der Singles: Trend virtuelle Liebe

Online-Händler wie Taobao (ähnlich wie Amazon) verkaufen im Herbst sodann nicht nur die alltäglich praktischen Dinge wie Dronen, Skorpione oder Seife aus Muttermilch. Unter den Bestsellern befinden sich dann auch virtuelle Partner. Männer und Frauen können sich hier für bereits 20 Yuan (also ca. 2,60 Euro) pro Tag eine neue Liebe kaufen. Die bleibt zwar rein platonisch, doch es zählt ja schließlich das gute Gefühl. Ob aus Neugier, Einsamkeit oder Herzschmerz – immer mehr Chinesen testen die virtuelle Partnerschaft auf Zeit. Erlaubt ist telefonieren, sowie das Schicken von Text- und Sprachnachrichten. Tabu ist alles an privaten Informationen, Fotos, Videos oder Adressen. Im Preis inbegriffen sind z.B. das Wecken oder das „wan’an“ (‚Gute Nacht‘) via SMS.

Vielen wollen eben doch kein Single sein und den „Tag der Singles“ am liebsten zu zweit verbringen. Und die virtuelle Liebe kann in der Tat einen positiven Effekt haben. Der normale und regelmäßige Umgang mit dem anderen Geschlecht kann zu mehr Selbstsicherheit führen. Außerdem tut es natürlich gut, einfach mit einem Menschen zu sprechen, wenn man sich einsam oder verletzlich fühlt. Sämtliche erotischen Konnotationen werden von vornherein ausgeschlossen. Wer einen virtuellen Partner mietet, tut dies ausschließlich auf platonischer Basis.

Männer und Frauen können aus verschiedenen Kategorien von Partnern auswählen. So können sich Männer eine virtuelle Partnerin mieten, die „puppenähnlich“ oder eine „reife Frau“ ist. Frauen stehen u.a. „verständnisvolle Onkel“, „witzige Kumpel“ oder „tröstende Männer“ zur Auswahl. Dies zielt auf die Charaktere der virtuellen Partner ab. Fotos sind ja tabu und das macht vielleicht auch einen Teil des Reizes aus, da sich die Kunden ihren Partner optisch erträumen können. Bei einem Land mit fast 1,4 Milliarden Einwohnern schon eine etwas merkwürdige Vorstellung, dass man auch hier lieber im Internet bestellt, als sich in der reale Welt auf die Suche zu begeben…


Bild: © CC Owen Benson via Flickr
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