Du warst zu lange in China, wenn…

Chinesen haben so einige Eigenheiten, die wir lieben, die uns aber manchmal auch tierisch auf die Nerven gehen. Es sind Klischees, Vorurteile und Gewohnheiten, die wir ganz tief in unserem Inneren als „typisch Chinesisch“ abgelegt haben und über die wir gerne auch einmal schmunzeln.

Du warst zu lange in China, wenn…

du Bekannte mit einem „Hast du schon gegessen?“ begrüßt.

In China ist das „Hast du schon gegessen?“ eine gängige Grußfloskel, die genauso wenig wie ein „Wie geht es dir?“ wahrheitsgetreu beantwortet werden muss.

du bei Sonnenschein einen Regenschirm herausholst.

Das gängigste Schönheitsideal in China sieht weiße Haut vor. Daher schützten sich viele Chinesen mit einem Regenschirm vor den Sonnenstrahlen. Insbesondere für manche Frauen ist nichts schlimmer als Sonnenbräune. Sie gilt als Anzeichen für körperliche Arbeit unter der ungeschützten Sonne. Bauern und Arbeiter haben schließlich dunkle Haut… Elegantes Weiß für Bürohengste liegt immer noch klar im Trend.

du andere beim Essen bedienst.

In China ist es üblich, sich das Essen auf dem Tisch zu teilen. Und da man Freunde und Respektpersonen ganz besonders bedenkt, ist es typisch, anderen auch schon mal etwas Fleisch oder Gemüse auf den Teller bzw. die Reisschale zu legen, damit diese Personen auch ja genügend essen. Wer höflich ist, bedient andere vor sich selbst. Insbesondere ältere Menschen sollten dabei den Vorzug erhalten, da Chinesen vor dem Alter großen Respekt haben.

du anderen immer ein Geschenk mitbringst.

Zu guten Manieren zählt in China auch, anderen bei dem ersten Besuch Zuhause oder bei besonderen Anlässen ein kleines Geschenk mitzubringen. Man bedankt sich dann überschwänglich für das Geschenk, öffnet es jedoch nicht vor den Augen des Schenkers. Denn wenn das Geschenk nicht gefällt, könnte man das am Gesichtsausdruck erkennen. Geschenkt werden können z.B. Lebensmittel, Getränke, etwas für die Gesundheit oder auch etwas anderes, was gnadenlos weiterverschenkt wird, wenn es nicht gefällt.

du Tee auch mit losen Blättern stilvoll und ohne meckern trinkst.

Beutel-Tee ist in China eher selten. Überall auf der Straße sieht man Menschen, die losen Tee, wie z.B. den berühmten Longjing-Tee aus Hangzhou, in einer einfachen, verschließbaren Glasflasche mit sich herumtragen – ohne Sieb oder doppelten Boden. Die Kunst besteht darin, den Tee auch mit den an der Oberfläche schwimmenden Blättern genussvoll zu trinken, ohne dabei in Schimpftiraden auszubrechen.

du dich weigerst in den vierten Stock eines Gebäudes einzuziehen.

In China gelten manche Zahlen als „Unglückszahlen“. Dazu zählt z.B. die Nummer 4, die sich im Chinesischen wie das Wort für „Tod“ anhört. Glücksverheißend ist dagegen die Nummer 8, die Wohlstand signalisiert. Vor allem bei wichtigen Terminen, achtet man tunlichst auf Glückszahlen. Manch einer zahlt auch gerne extra, um eine Telefonnummer oder Autokennzeichen zu bekommen, das Glück verspricht. In manchen Hotels verzichtet man auf alle Stockwerke, die die 4 enthalten.

du anderen gratulierst, wenn sie zugenommen haben.

Besonders bei älteren Chinesen gilt es als Zeichen guter Gesundheit und des Wohlstands, wenn man ein paar Extrapfunde vorzuweisen hat. Chinesen sind oft sehr direkt und meinen es gar nicht böse, wenn sie körperliche Eigenheiten kommentieren.

du plötzlich grelle Farben liebst.

In China haben Farben eine spezielle Bedeutung. Vor allem das Rot gilt als Zeichen für Glück und Wohlstand. Deshalb tragen chinesische Bräute bei traditionellen Hochzeiten rot. Gelb ist die Farbe des Kaisers. Daher ist die Dekoration für feierliche Anlässe oft in Rot-Gold/Gelb gehalten. Weiß gilt dagegen als Farbe des Todes und wird z.B. im Trauerfall im Haar getragen. Bei Hochzeiten im westlichen Stil, trägt man allerdings auch Weiß – oft mit roten Highlights.

du hupst, anstatt Verkehrsregeln anzuwenden.

Der chinesische Straßenverkehr scheint gar so, als gäbe es überhaupt keine Regeln. Da fährt man schon einmal in vier Reihen auf einer zweispurigen Straße oder biegt dort ab, wo es absolut nicht erlaubt ist. Wer hupt hat recht. Natürlich gibt es auch in China Verkehrsregeln. Die kommen allerdings unterschiedlich oft und gut zum Einsatz. Daher ist der chinesische Verkehr inzwischen weltweit berüchtigt. Die Behörden bemühen sich allerdings das Hupen einzudämmen – mit speziellen Verkehrsschildern.

es dir körperlich wehtut, wenn andere Sojasauce über ihren Reis kippen.

Sojasauce wird in China zum Kochen und zum Dippen genutzt. Ganz sicherlich schüttet man sie sich nicht über den Reis oder gar ein ganzes Gericht. Böser Anfängerfehler!

du dir mehr Gedanken über deine Socken, als deine Schuhe machst.

Wie in vielen asiatischen Ländern, gehört es in China zum guten Ton, am Hauseingang seine Schuhe auszuziehen. Socken oder Strumpfhosen sollten daher niemals Löcher haben, wenn man einen Chinesen zuhause besucht. Das gilt allerdings in den letzten Jahren auch zunehmend für viele deutsche Heime, die spezielle „Gästehausschuhe“ anbieten.

du auf den Boden spuckst, anstatt in ein Taschentuch auszuschnupfen.

Taschentücher sind in China verpönt. Es ist „eklig“ sie in der Öffentlichkeit zu benutzen. Viele Chinesen ziehen es vor den Schleim in den Rachen zu ziehen und dann einfach auszuspucken. Das ist ebenso Teil der Morgenhygiene im Zug, wie bei einer akuten Erkältung. Dem Spucken will China allerdings seit längerem Herr werden und verbietet dies in größeren Städten auf der Strasse. Die Gesundheitsbedenken wurden zu groß und im Ausland genießt es keinen guten Ruf. Man sollte jedoch nicht überrascht sein, wenn jemand einem einfach vor die Füße spuckt oder im Waschraum ins benachbarte Waschbecken rotzt. Besonders imposant ist das morgens in einem Langstreckenzug in der „Hartsitz“-Klasse.

wenn du dich auf Toilette lieber hinhockst.

Natürlich gibt es in China auch „moderne“ Sitztoiletten. Doch vielerorts gibt es noch Hocktoilette, die man auch z.B. aus Frankreich kennt. Es handelt sich dabei lediglich um ein Loch im Boden, das vorne ein kleines Dach hat. Man wendet sich im Hocken zu diesem Dächlein. In Zügen kann das beim Ruckeln problematisch werden, gilt jedoch als saubere Alternative zu Sitztoiletten.

Oftmals gibt es allerdings auch nur einfach Rinnen, die lediglich durch kleine Wände abgegrenzt sind, die mehr zeigen als verbergen. Auch Türen gibt es dort nicht. Ist man auf dem Land oder in einem Vorort kann es durchaus vorkommen, dass man zur Attraktion wird, wenn es sich Anwohner einfach einmal vor der Toilette gemütlich machen und zuschauen, wenn man dort im „Offenen“ sein Geschäft verrichtet. Wachen an der Tür aufzustellen hat sich in solchen Fällen ebenso bewährt wie gekonntes Ignorieren.

wenn du auch in die vollste U-Bahn IMMER noch hineinkommst.

Es gibt kein besseres Training für den Nahverkehr als in China. Die Rush Hour in China ist das reinste Chaos. Und dennoch überlebt man sie. Und man lernt daraus! Man lernt, wie man sich als erstes in einen Bus bzw. den Zug hineinquetscht und als erstes wieder herauskommt. Dazu ein kleiner Tipp: Rückwärts kommt man immer noch in den vollsten Bus und die vollste U-Bahn hinein. Man muss sich einfach rücklings reindrücken und sich mit den Händen oben an der Türinnenseite festhalten. Ansonsten hilft der Einsatz von Ellenbogen – was in Deutschland ja glücklicherweise meist nicht nötig ist und eher als unhöflich anzusehen ist.


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