boxeraufstand

Der Boxeraufstand

Die beiden Opiumkriege und die Industrialisierung erschufen in China Ende des 19. Jahrhunderts eine fremden- und palastfeindliche Atmosphäre. Die Bauern wurden in ihrer Existenz bedroht. Naturkatastrophen und Hungersnöte verschlimmerten die Situation. Hinzu kam, dass christliche Missionäre große Freiheiten besaßen und eine privilegierte Stellung einnahmen. Die Fremden errichteten Kirchen, rissen teils Klöster ab und versprachen Konvertierwilligen Schutz bei Strafverfolgungen, sodass sie bald den Ruf hatten Verbrecher in ihre Reihen aufzunehmen und ihnen ein angenehmes Leben zu bereiten. Besonders in den sehr armen Regionen war die Bevölkerung erbost über diese Zustände. Dies führte zur Gründung des Geheimbundes »Yihetuan« (义和团), einem Ableger der alten Geheimgesellschaft “Weißer Lotus”.

Die Mitglieder dieses Bundes waren dafür bekannt, dass sie u.a. gemeinsam chinesisches Boxen praktizierten, um sich selbst verteidigen zu können und ihren Geist zu kultivieren. Von den Ausländern wurde der “Bund für Frieden und Gerechtigkeit ” daher meist nur “Boxer” begannt. Den Geheimbund kennzeichnete zudem ein Hang zum Okkulten: So waren viele Mitglieder davon überzeugt durch magische Praktiken unverwundbar zu sein.

Die Proteste der Boxer richteten sich zunächst gegen Ausländer und Kaiserhof gleichermaßen. Sie begannen in Shandong und weiteten sich in Richtung Peking und Tianjin aus. Mit einem Staatsstreich wollte sich die Kaiserinwitwe Cixi lästigen Reformer entledigen und sicherte sich dabei die Unterstützung der Boxer. Die aufgewühlten Massen sollten ihre Kraft in einem Krieg gegen die Ausländer entladen -nicht gegen den Kaiserhof. Ab Mai 1900 eskalierte die Situation und gipfelte in einem Aufstand. Missionarsstationen und Eisenbahnlinien wurden zerstört, ausländische Häuser geplündert, Christen ermordet. Am 11. Juni marschieren die Boxer mit Regierungstruppen in Peking ein, brannten Kirchen nieder und töteten konvertierte Chinesen. Peking und Tianjin waren nun besetzt. Zwei Tage später erschoss ein chinesischer Soldat den deutschen Abgesandten Klemens von Ketteler (nicht der erste ermordete Ausländer). Cixi forderte daraufhin die Ausländer zum Verlassen der Stadt auf. Das Gesandtschaftsviertel wurde nun ebenfalls von Boxern belagert. Am 21. Juni erklärt Cixi den ausländischen Kräften den Krieg.

Der Kaiserhof muss jedoch wenig später nach Xian fliehen. Denn die alliierten Truppen, offiziell unter dem Kommando des Deutschen Graf Alfred von Waldersee, eroberten am 14. August Peking zurück. Die einst so prächtige Hauptstadt wurde nun für drei Tage zur Plünderungszone erklärt und die Jagd auf die Boxer begann. Waldersee ließ alle Hängen, die im entferntesten Sinne mit den Boxern in Zusammenhang gebracht werden konnten -oder eben auch nicht. Harmlose Zivilisten, Frauen, Kinder wurden grausam ermordet -Unterschiede wurden nicht gemacht.

Der Kaiserhof machte die Boxer allein für die Aufstände verantwortlich und unterzeichnete am 7. September 1901 das sogenannte Boxerprotokoll. Wieder einmal wurde China zu hohen Entschädigungszahlungen genötigt, die seine Ressourcen bei Weitem überstiegen. Zudem forderten die Alliierten u.a. die Hinrichtung von Verantwortlichen und die Stationierung weiterer Besatzungstruppen. Der Boxeraufstand war somit erfolgreich von den Allierten niedergeschlagen.


Bild: Wikipemedia

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