Tanja Kinkel: Manduchai

Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin

Der Eunuch Ma Jing begeht einen fatalen Fehler und landet so als Kindermädchen bei einer Mongolensippe. Hautnah erlebt er den Aufstieg seines Schützlings zur Königin der Mongolen. Gleichzeitig steigt in der Verbotenen Stadt eine Konkubine zur heimlichen Herrscherin über den Drachenthron auf. Beide Frauen müssen zahlreiche Opfer bringen, um ihren Traum von Macht zu verwirklichen. Dennoch verbindet die beiden Frauen vieles. Und genau das lässt sie Überleben.

REVIEW zu „Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin“

Zwei Frauen – die gleiche Strategie. Manduchai, die Tochter eines Kriegerfürsten wird jung mit dem viel älteren Herrscher der Mongolen verheiratet – als Zweitfrau. In Peking weigert sich das Kindermädchen des künftigen Kaisers ihren Platz zu räumen und wird seine Konkubine. Beide Frauen müssen sich gegen die weibliche Konkurrenz und männliche Machtgier wehren – und sie riskieren alles, um ihre Ziele zu erreichen. Unsympathisch werden dadurch beide nicht – schließlich gibt es genügend Bösewichte, die viel Schlimmeres aushecken als diese beiden klugen Frauen.

Manduchai, die weise Königin der Mongolen, gab es wirklich. Allerdings ist über die junge Manduchai wenig bis gar nichts bekannt. Diese Lücke in den Geschichtsbüchern nutzt Tanja Kinkel, um uns ihre Version zu erzählen, wie Manduchai zur Mongolenkönigin wurde. Dafür hat sie viel recherchiert und sie schafft es auch gekonnt ein lebendiges Setting zu schaffen. Sie bleibt dabei recht vage und schafft es so, die Illusion einer wahren Geschichte zu halten.

„Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin“ ist locker geschrieben und der flüssige Erzählstil macht es dem Leser leicht, sich direkt in die Geschichte einzufinden. Auch die konkurrierenden Charaktere baut Tanja Kinkel gut auf. Schwächen liegen hier im Detail. Dass sich ausgerechnet ein Eunuch an die im Westen bekannteste chinesische Liebesgeschichte erinnert, als er in der mongolischen Steppe in den Himmel blickt, zeugt zwar von dem Rechercheeifer der Autorin, ist ansonsten doch aber sehr unwahrscheinlich. Insgesamt ist der Eunuch „Murmeltier“ eine merkwürdige Mischung aus Aufgeklärtheit und Kitsch, was ihn sehr unwirklich erscheinen lässt. Die Figuren sind insgesamt nicht immer stimmig, was den Leser durchaus aus seinem Lesefluss werfen kann. Dies gilt vor allem für Manduchai. Besser läuft es in dem chinesischen Erzählstrang. Was hier jedoch fehlt sind Emotionen – und die Erkenntnis, dass Frauen mit gebundenen Füßen mit ihren stinkenden Stumpen nicht nur mit einer kurzen Wahrnehmung eines Schmerzes zu einem anderen Ort hinübereilen.

Insgesamt ist „Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin“ von Tanja Kinkel dennoch überraschend überzeugend. Eine schwierige Aufgabe, gut erzählt und für Fans von starken Frauengeschichten ganz sicherlich eine Empfehlung wert.

„Ihr habt gesagt, die helfen meinem Vater wieder zu seinem Thron“, unterbrach der Prinz, an seine Kinderfrau gewandt. „Warum schaut mir dann das Mädchen einfach ins Gesicht, wenn sie doch nur eine Barbarin ist? Ich bin der nächste Sohn des Himmels!“
„Nein, das bist du nicht“, sagte Manduchai erbost und wiederholte, was sie von ihrem Vater gehört hatte. „Die Kinder des Ewigen Blauen Himmels sind nur wir.“
„Sie hat du zu mir gesagt“, stieß der Junge fassungslos hervor. „So gemein ist selbst d-d-d-der Kriegsminister nicht!“
Ma Jing erwischte Manduschais Hand, als sie ausholte, um zuzuschlagen. Er kniete neben ihr nieder und sagte leise und schnell in ihrer eigenen Sprache: „Das ist ein Junge, der an einem Tag wie ein Gott verehrt und am nächsten ein Nichts wurde. Er ist wie ein junges Fohlen, das nach der Geburt von der Mutter verstoßen wurde. Sei geduldig mit ihm.“
Wenn er ihr einen Befehl erteilt hätte, dann wäre sie noch zorniger geworden. Aber Ma Jing hatte einen Vergleich gewählt, den sie verstand. Außerdem vermutete Manduchai, dass die Kinderfrau ihnen auf keinen Fall mehr als die bisherigen Andeutungen erzählen würde, wenn sie den Jungen zu Boden stieß.
„Wir können Knöchelchen spielen“, sagte sie versöhnlich.

Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin

Tanja Kinkel
Droemer, 2014
978-3-426-19966-4
Auszug: S.111/112

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