Rote Laterne - Su Tong

Rote Laterne (Buch)

Träume können jäh enden. Das muss auch die 19-jährige Studentin Songlian erfahren, als ihr Vater stirbt und sie sich für das Leben als Konkubine entschließt. Als vierte Herrin zieht sie in den Chen-Haushalt und so lernt Songlian sehr schnell, dass die Gunst ihres 50-jährigen Ehemannes entscheidend für ein halbwegs erträgliches Leben ist. Doch da sind noch drei andere Frauen, die alles dafür tun, um sie auszustechen…

REVIEW zum Buch „Rote Laterne“

„Die Rote Laterne“ ist nicht nur ein vielfach preisgekrönter Film von Zhang Yimou, sondern begeistert auch als Novelle. Su Tong ist ein Meister darin, bittersüße, emotionale Geschichten zu erzählen und genau das gelingt ihm in „Rote Laterne“ nahezu perfekt. Er schildert sehr subtil wie eine junge Frau im China der 1930er Jahre aus einem vielversprechenden Leben herausgerissen wird und in einen Käfig gesperrt wird, der immer kleiner wird. Wut und Frustration, Neid und Missgunst bestimmen den Alltag der vier Ehefrauen im Chen-Haushalt, die sich offiziell dankbar und gutmütig geben. Doch der einstige Pragmatismus der Frauen, der sie in diese Nutzehe getrieben hat, weicht einem offenen Kampf mit sich selbst und ihrer kleinen Welt. Geheimnisse können sich da sehr schnell zu einem gefährlichen Gut entwickeln.

Su Tongs „Rote Laterne“ ist eine dieser Erzählungen, die China-Liebhaber gelesen haben sollten. Denn sie vermittelt wie kaum eine andere einen Einblick in die Geschichte Chinas, in die Denkweise der Chinesen und den Alltag der Frauen zu dieser Zeit. „Rote Laterne“ ist eine von Su Tongs besten Büchern. Unterschiede zum Film gibt es einige, so dass das Buch auch für diejenigen spannend bleibt, die „Die Rote Laterne“ bereits als Verfilmung gesehen haben.

Mit kaltem Blick verfolgte Songlian, wie Meishan und der Arzt verstohlen liebevolle Blicke tauschten. Wahrhaftig, nichts kann mir entgehen, dachte sie. Als sie die Steine mischte, ließ sie einen zu Boden fallen. Sie beugte sich hinunter, um ihn aufzuheben, und ertappe unversehens ihre eng ineinander verschlungenen Beine unter dem Tisch. Sie trennten sich zwar sehr rasch und wie von selbst, doch Songlian hatte es ganz unzweifelhaft gesehen.

Rote Laterne

Su Tong
Das Buch zum Film
Goldmann, 1992
3-442-42073-3
Auszug: S.45

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