Wei Hui: Shanghai Baby - erotische Literatur aus China

Shanghai Baby

Die junge Schriftstellerin Coco arbeitet in einem Café, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Da schiebt ihr ein Stammgast einen Zettel mit einer Liebeserklärung zu. Die beiden werden ein Paar und Coco zieht zu ihm. Tiantian, so heißt der gute Lebemann, der immer noch vom Unterhalt seiner Mutter lebt und sein Leben der Kunst verschrieben hat, ermutigt Coco einen Roman zu schreiben. Und das tut sie fortan. Die Liebe der beiden ist jedoch, trotz reichlichem Austausch von Zärtlichkeiten, stark durch Tiantians Impotenz belastet. Als Coco dann den Berliner Mark kennen lernt, kommt es wie es kommen muss. Coco begehrt Mark und lässt sich auf eine Affäre ein — mit Folgen…

Buchkritik zu: Wei Hui „Shanghai Baby“

Wild und dekadent sollte er sein, dieser große «erotische Untergrundroman», der vorgeblich das Leben der Shanghaier Pop-Kultur widerspiegelt. Die “Süddeutsche Zeitung” ist mit dem Zitat «Der Sexappeal des Verbotenen» auf der Rückseite verewigt. Ein höchst brisanter Bestseller, der von der Kommunistischen Partei aus dem Handel gezogen wurde. Nun ja, wer das alles glaubt und sich das Buch kauft, wird enttäuscht sein. Allein das Label der Zensur garantiert keinen guten Roman — weder eine gute Geschichte, noch einen guten Schreibstil. Und in “Shanghai Baby” ist beides wohl auf dem Weg zur Druckerpresse verloren gegangen. Die Story ist fad und hangelt sich von einem belanglosen Orgasmus zum nächsten. Von Erotik keine Spur. Und wenn Sexappeal heißt, dass die Protagonistin sich einen runterholt und nach «Feuerschläuchen» lechzt, ist der Sinn des Wortes verloren gegangen. Die Sprache der Autorin ist weder poetisch noch originell — genauso wenig wie die Protagonistin. Man quält sich von Seite zu Seite und fragt sich, wann diese ach so sexuell aktive junge Frau endlich aufhört, sich selbst in ihrem Narzissmus so zu beschreiben, als würde sie für eine Telefonsex-Hotline arbeiten. Ich wage zu behaupten, dass der Roman im Westen nicht so erfolgreich gewesen wäre, wenn er nicht das TAG “Verboten” auf dem Cover gehabt hätte. Und ich plädiere dafür, dass der Roman für immer im Untergrund verschwindet!

Das Gefühl des kalten Alkohols und seiner warmen Zunge auf meiner Haut raubt mir fast die Besinnung, ich spüre, wie feucht ich bin, und dann dringt er in mich ein, sein riesiges Organ bereitet mir Schmerzen: «Nein», schreie ich, «es geht nicht!»
Aber er macht gnadenlos weiter. Plötzlich weicht der Schmerz, und ich gebe mich ihm hin, reiße die Augen auf, funkle ihn voll Liebe und Hass an, sein nackter, sonnengebräunter Körper erregt mich. Ich stelle ihn mir in Nazi-Uniform vor, mit langen Stiefeln und Ledermantel, welche Brutalität und Grausamkeit müsste dann in diesen germanischen blauen Augen liegen, die Vorstellung allein erregt mich.

Infos zum Buch
Wei Hui
Shanghai Baby
Atria Books / Ullstein
2002 / 2001
B000FC0U76 / 3 550 08343 2
Auszug: S.75 (Ullstein)

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