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Ma Zeren, ein verhinderter Beamter, ist das Paradebeispiel eines Lebemanns: Er besitzt keinerlei Talente – außer in romantischer Hinsicht. Doch dann stirbt sein im Ausland lebender Bruder, und der alte Ma erbt ein Antiquitätengeschäft in London. Aber das Leben in der britischen Metropole nach dem Ersten Weltkrieg gestaltet sich anstrengender, als von Ma geplant: Er soll früh aufstehen, sich ums Geschäft kümmern, muss sich mit einem einfachen Angestellten abgeben, und unverständlicherweise sind auch die Frauen seinem Charme gegenüber äußerst resistent. So müssen sich nun sein Sohn Ma Wei und der Angestellte Li Zirong um das Geschäft kümmern. Doch eigentlich wollte Ma Wei Wirtschaft studieren, und auch Li Zirong hatte nicht erwartet, sich mit liebeskranken Geschäftsführern herumzuschlagen zu müssen…

REVIEW zu „Ma und Sohn“

Klassisch gut erzählte Geschichte, die sich nicht nur Kultur- sondern auch Generationskonflikten widmet. Vorurteile vom bösartigen Chinesen, der Ratten isst und alle Menschen um sich herum vergiftet, kollidieren hier mit Vorstellungen über klassenorientierte, britische Ehen. Aufgepeppt ist die Geschichte mit einem liebenswerten Taugenichts, der nur allzu gerne die Vorurteile gegen Chinesen bestätigt, indem er beispielsweise behauptet, er hätte mehrere Frauen! Leider sabotiert er zudem auch noch jegliche Versuche seines Sohnes, das Geschäft finanziell stabil zu halten: Er geht grundsätzlich nicht bei Regen, Nebel oder starkem Wind zur Arbeit – und das in London!

Aber Lao Shes Erzählung ist nicht nur unterhaltsam: Zugleich ein Aufruf zum Pazifismus, propagiert er intellektuelle Verwirklichung und beschreibt eindringlich, wie Chinesen nach dem Ersten Weltkrieg als minderwertig verachtet oder als exotisches Amüsement angesehen wurden. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf eine Skizzierung der chinesischen Probleme, sondern erläutert ebenso die soziale Umbruchstimmung in England zu jener Zeit.

Leider enthält die englische Übersetzung der vorliegenden Ausgabe so einige Fehler. Daher: Wer kann, sollte das chinesische Original lesen – diese Ausgabe macht es einem besonders leicht, da jeweils links der chinesische, rechts der englische Text abgedruckt ist.

Mr. Ma asked her to sit down, whereupon the pair chatted for over an hour. She wanted to know what sort of dresses Mrs. Ma liked to wear, what sort of hat; and he wanted to know what kind of tobacco her husband had smoked, and what kind of civil servant position he had held. So it happened that during the course of their conversation they came to understand each other less, but somehow felt more intimate. He told her: Mrs. Ma used to wear padded vests made of silk. (Mrs. Wendell had never seen such a thing.) She told Ma that her husband had never actually held a position in the civil service. (And Ma simply couldn’t understand how someone could not be a bureaucrat of some form or another.

Geeignet für: sitzengelassene Liebhaber und kulturelle Eigenbrödler

Einschätzung: Unterhaltsame Geschichte über Generationskonflikte in zwei Kulturen

Infos zum Buch
Die zwei Ma / Mr. Ma & Son: A Sojourn in London / Er Ma / Die zwei Ma
Lao She
Echo of Classics, Taschenbuch, Foreign Language Press
2001
7-119-01897-0
S.183

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