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Ha Jin: Kriegspack

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Ob das wirklich besser ist, als an der Front zu kämpfen? Der junge chinesische Offizier Yu Yuan meldet sich gezwungenermaßen für die kommunistische Freiwilligenarmee und marschiert mit seinem Trupp in Nordkorea ein. Dort wird er gefangengenommen und landet schließlich in einem amerikanischen Lager für Kriegsgefangene. Doch während die Nordkoreaner von Chinesen getrennt wurden, findet sich Yu Yuan plötzlich zwischen verhärteten Fronten wieder: Nationalisten und Kommunisten wollen die Neuankömmlinge gleichermaßen für sich beanspruchen und greifen dabei zu drastischen Mitteln…

REVIEW / KRITIK

Ha Jin zählt zu den besten Erzählern Chinas und so kommt „Kriegspack“ vergleichsweise „leicht“ und kurzweilig daher. Und das ist bei dem Thema eine echte Aufgabe, die Ha Jin wunderbar meistert. Anschaulich schildert er den Alltag von Kriegsgefanenen aus der Sicht eines gebildeten und von der Propaganda relativ unberührten Offiziers, der eigentlich nur eins will: zurück zu seiner Familie und zu seiner Verlobten. Daher sieht er sich der schweren Aufgabe gegenübergestellt, sowohl vor den Kommunisten als auch vor den Nationalisten das Gesicht zu wahren und sich alle Chancen offenzuhalten. „Kriegspack“ ist dabei kein Antikriegs- oder Antipropagandabuch. Dafür bleibt der Roman zu oberflächlich. Ha Jin präsentiert stattdessen das, was man kennt und würzt es mit der Lebensgeschichte eines Mannes, um einen Seitenblick in den Alltag seines „Helden“ zu werfen. Und das ist größtenteils eine höchst spannende Perspektive – auch wenn sie immer wieder Fragen aufwirft. Im Gegensatz zu Ha Jins „Im Teich“ ist „Kriegspack“ aber leider nicht bissig genug, um mit einem ultimativen Schlag den Irrsinn, der hier vor sich geht, hemmungslos zu entlarven. Alles ist immer noch ein wenig zu nett und zu harmlos. Der Leser denkt sich einfach seinen Teil. Dennoch ein spannendes Thema, das sich historisch interessierte Leser nicht entgehen lassen sollten.

Andererseits betrübte mich die Tatsache, dass es in diesem Abschnitt wesentlich mehr Invalide gab als in anderen Teilen des Lagers; Männer mit fehlenden Armen, mit Augenklappen über leeren Augenhöhlen, Männer, die Haare, Ohren oder Nasen durch Napalm verloren hatten, Taube, die sich durch Zeichensprache verständigten, und welche, die nur noch an Krücken gehen konnten und deren Beinstümpfe mit dicken Holzprothesen verlängert waren. Mir kam der Gedanke, dass kein Land diese Männer würde haben wollen, sie waren Kriegspack und hatten gar keine Wahl, als nach China zurückzukehren, wo sie immerhin noch Familie hatten. Was blieb ihnen anderes übrig, als den Kommunisten zu folgen?

Geeignet für: Chinafans mit Denkerphase

Einschätzung: Erzählerisch wertvoll

[xrr rating=3.0/5]

© Quelle
Kriegspack
Ha Jin
dtv premium
2005
Taschenbuch
3 423 24491 7
Auszug S. 154
China / Nordkorea / Krieg

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