Die Sandelholzstrafe von Mo Yan

Die Sandelholzstrafe

Foltermeister Zhao Jia wird aus seinem wohlverdienten Ruhestand zurückbeordert, um noch ein einziges Mal seine Kunst zur Perfektion zu treiben. Die Sandelholzstrafe gilt als grausamste Foltermethode der sich dem Ende neigenden Qing-Zeit. Doch für Sun Bing scheint diese Strafe nur recht. Der einstige Opernsänger und Anführer eines Aufstandes hat die Behörden mehr als nur einmal auf die Probe gestellt und soll nun als abschreckendes Beispiel dienen. Allerdings ist Zhao Jia nicht mehr ganz so jung. Sein Sohn, der ausgerechnet mit der Tochter von Sun Bing verheiratet ist, soll assistieren. Dabei will Ehefrau Meiniang nicht zuschauen und setzt alles in Bewegung, um ihren Vater zu retten…

Kritik zum Buch: Mo Yan „Die Sandelholzstrafe“

Mo Yan zählt zu den bedeutendsten und beliebtesten Schriftstellern Chinas. Bücher wie „Das rote Kornfeld“, „Die Knoblauchrevolte“ oder „Frösche“ haben ihn international bekannt gemacht. 2012 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Immer wieder drehen sich seine Geschichten um das ländliche Gaomi, beeinflusst von Mo Yans Kindheit. Das einfach Volk und das Leid, das es durch historische Ereignisse und politische Zwänge durchlebt, sind große Themen bei Mo Yan. Auch in „Die Sandelholzstrafe“ verschlägt es den chinesischen Schriftsteller wieder nach Gaomi. Dieses Mal erzählt Mo Yan die Geschichte eines Foltermeisters und bedient sich dabei an der Katzenoper „Die Sandelholzstrafe“, einer volkstümlichen Opervariante.

Die Story ist grundsätzlich also nicht neu. Sogar Mo Yan selbst hat als junger Mensch bereits eine Katzenoper zu Sun Bing verfasst. Vor 20 Jahren fing er dann an, sich der Geschichte in Romanform zu widmen. Allerdings sollte der Roman „Die Sandelholzstrafe“ dennoch die Züge der Katzenoper aufweisen. Und genau das geht leider bei der Übersetzung vollkommen verloren. Haßreden, Monologe und Klagen sind zwar sprachlich sicher übersetzt, aber in puncto Rhythmus erinnert nichts an eine Oper. Mo Yan selbst plädiert im Nachwort dafür, dass „Die Sandelholzstrafe“ nicht gelesen, sondern vorgelesen wird — mit dem passenden schauspielerischen Nachdruck.

Mo Yans Worte sind wie (fast) immer ausdrucksstark, lebendig und wecken visuell starke Reize. Bei den vielen Folterszenen nicht unbedingt leicht verdaubare Kost. Das Buch ist sehr blutig, aber nicht plump. Folter wird hier als Kunst präsentiert — und so wirkt es auch, trotz der direkten, einfachen Sprache, der sich Mo Yan bedient, um das Volkstümliche hier herauszuheben. Ein wenig ungeschickt gewählt ist die Struktur, durch die die Handlung anfangs etwas verwirrend wirkt, wenn man weder die Grundzüge der Geschichte, noch Mo Yans Intention kennt, hier eine Oper umzusetzen.

„Die Sandelholzstrafe“ ist ein Experiment, das durchaus lesenswert ist, aber nicht immer einfach für Kopf und Gemüt. Wer mit Mo Yan beginnt, sollte lieber mit den anderen bereits erwähnten Büchern anfangen…

Er hob den Kopf und blickte diesem martialischen jungen Mann ins Gesicht. Alles, was er sah, war dessen gerade herabfallendes Haar, seine runden Augen, deren Pupillen bläulich waren und deren Weißes ganz rot; die aufgeblähten Nasenlöcher, die fest zusammengebissenen Zähne, die mäusegroßen Muskeln, die sich auf seinem angespannten Unterkiefer abzeichneten. Er war schockiert von der tierischen Wildheit dieses Gesichts. In der Hand, die das Messer hielt, verspürte er bereits einen Muskelkater, was er nur widerwillig zur Kenntnis nahm.

Infos zum Buch
Die Sandelholzstrafe
Mo Yan
Insel, 2009
978 3 458 17446 2
Auszug: S.311
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