Die Kuh, die weinte - Ajahn Brahm

Die Kuh, die weinte

In 108 Geschichten zum Glück? In „Die Kuh, die weint“ bietet Ajahn Brahm Lebensweisheiten für den Alltag und alle Fälle. Liebe, Angst, Schmerz, Wut, Glück oder auch innere Ruhe – zu verschiedenen Themen berichtet der buddhistische Mönch von kleinen Episoden, die er selbst erlebt hat oder die ihm erzählt wurden und Menschen maßgeblich verändert haben. Alles Mumpitz?

REVIEW zu „Die Kuh, die weinte: Buddhistische Geschichten über den Weg zum Glück“

Vom theoretischen Physiker zum buddhistischen Mönch – Ajahn Brahm hat in seinem Leben eine außergewöhnliche Wandlung vollzogen, lebte monatelang in einem thailändischen Waldkloster und ist heute Abt in einem Kloster in der Nähe von Perth, Australien. Er hat eine große Fangemeinde, da er Geschichten nicht nur voller Leidenschaft und Achtsamkeit erzählt, sondern auch humorvoll und emotional. Dafür nutzt er Beispiele aus dem täglichen Leben, die in „Die Kuh, die weinte“ in 108 kurzen Geschichten veröffentlicht wurden.

Doch in „Die Kuh, die weinte“ geht es nicht um Buddhismus als Religion – es geht darum, einen ganzheitlicheren Blick für sein Leben zu entwickeln – egal, ob man religiös ist und wenn, unabhängig davon, zu welcher Religion man sich zugehörig fühlt. Vieles, was Ajahn Brahm erzählt, sollte einem durch den gesunden Menschenverstand bekannt sein. Allerdings verpackt der buddhistische Mönch seine Weisheiten oft in wunderschöne Bilder, die man sich sehr schnell ins Gedächtnis rufen kann und einen somit durchaus inspirieren können.

Das kann manchmal helfen, manchmal auch nicht – gerade wenn es um schwerwiegende Alltagsprobleme geht. Und hier stößt das Buch „Die Kuh, die weinte“, an seine Grenzen. So wird ein Fall beschrieben, in dem eine Frau ausharrt und durch schiere Vergebung ihren schlagenden Mann von seinen üblen Verhaltensmustern heilt. Dies dürfte einigen Lesern übel aufstoßen. Allein die Möglichkeit, dies als „Weg“ zu offenbaren, sollte auch kritisch gesehen werden. Vielleicht ist eine solche Geschichte der Weltfremdheit eines Mönches zu schulden, der vor 30 Jahren als dem „normalen Leben“ ausgestiegen ist.

Dennoch ist das Buch „Die Kuh, die weinte“ ein interessanter Lesestoff für alle, die weltoffen durchs Leben gehen und sich gerne inspirieren lassen. Insbesondere die Geschichte der zwei mangelhaften Backsteine zeigt sehr deutlich, wie wir uns selbst unsere Wirklichkeit schaffen und gerne auch einmal verzerren. Ein etwas anderes Buddhismus-Buch, das auch für Nicht-Buddhisten geeignet ist.

Er maßregelte die Ampel, als hätte sie eine Wahl gehabt. Er fühlte sich persönlich angegriffen. Die Ampel hatte es auf ihn abgesehen: „Aha, da kommt er wieder! Ich weiß, dass er sich verspätet hat, wie schön! Und jetzt lasse ich das eine Auto noch durch, und dann ärgere ich ihn. Rot! Stopp! Ha, jetzt hab ich es ihm aber gezeigt!“
Eine Ampel kann bösartig erscheinen, aber letztendlich ist es nur eine Ampel – und was kann man von ihr schon anderes erwarten, als dass sie regelmäßig die Farbe wechselt?

Die Kuh, die weinte: Buddhistische Geschichten über den Weg zum Glück

Ajahn Brahm
Lotos Verlag, 2006
978-3-7787-8183-8
Auszug: S.75

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