Buddha für alle | © CC 2.0 neonow via Flickr

Buddha für alle? Ein Esoterik-Laden zwischen Selbstfindung, Kitsch und Kommerz

Secret Emotions in Hamburg-Altona

Secret Emotions in Hamburg-Altona

Nur mit einem weißen BH und einer hochgekrempelten dunklen Jeans bekleidet macht es sich Birgit Fischer (49) auf einer weißen Liege bequem: Die Inhaberin einer Sprachschule streckt den linken Arm hoch über den Kopf und wird von einer Dame in fortgeschrittenem Alter mit Babypuder unter der Achsel bestäubt. «Jetzt möchte ich Sie bitten, mit der Hand Ihre Brust zu schnappen», fordert die gebürtige Ägypterin Aliki Gath die 49-Jährige auf. Frau Fischer greift beherzt nach ihrer linken Brust und schafft damit den nötigen Raum, den Aliki Gath braucht, um die ungeliebte Achselbehaarung von Birgit Fischer mit einem Naturwachs zu entfernen. «Das tut jetzt irre weh», warnt sie ihre Kundin mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. «Glaub ich nicht», kontert Frau Fischer. Sie reckt den Hals und beobachtet, wie Aliki Gath die klebrige Mischung aus Zucker, Zitrone und Sonnenblumenöl (Halawa) in ihre Achsel drückt und mit einem Tuch wieder abzieht. «Ich bin total begeistert -absolut irre», sagt die Kundin schon während der Behandlung immer wieder und schüttelt ungläubig den Kopf. «Hier steh ich nie wieder auf!»

Und während die lebhafte Enthaarungsexpertin Gath eine Gruppe interessierter Frauen dazu auffordert, die Enthaarungsmischung einfach einmal abzulecken und enthaarte Stellen mit Speichel einzuschmieren, blickt Frau Maneg (58) skeptisch in die umliegenden Räume des Esoterik-Ladens “Secret Emotions”. “Das ist wie eine andere Welt”, sagt sie über den “Energy-Floor” -so nennt man hier das Kellergeschoss. Die robuste Endfünfzigerin ist nur durch Zufall auf einem Einkaufsbummel in den Laden geraten. Langsam und immer neugieriger stöbert sie dann im Obergeschoss des Ladens, der sich seit 17 Jahren im Herzen Hamburg – Altonas befindet.

Weihrauch, Patchouli und Lavendel sorgen im Obergeschoss von “Secret Emotions” für intensive Geruchserlebnisse. «Natürlich muss man mit den Düften umgehen können», erzählt Frederike Ramünke. Die 17-jährige Aushilfe arbeitet bereits seit einem Jahr in dem Esoterik-Laden und gibt zu: «Meine Mutter ist auch so leicht angehaucht. Ich bin so aufgewachsen», und deutet auf die zahlreichen Buddhastatuen, die es hier in allen Größen zu kaufen gibt. Die wären für sie aber reine Dekoration, sagt Frederike Ramünke. Religiöse oder esoterische Bekenntnisse sind hier schwer zu finden. Dafür bestimmen jede Menge Feng-Shui-Zimmerbrunnen, funkelnde Ohrringe, mit Glitzersteinen veredelte Räucherstäbchenhalter und knallbunte “chinesische” Papier-Lampions, mit japanischen Geishas bedruckt, die Atmosphäre.

Laura Schüler (17), die sich für «gar nicht esoterisch» hält, kauft hier eher Kleinigkeiten: «Das kann man sich nicht tagtäglich leisten. Es sind schon besondere Sachen», sagt die Jugendliche. Ihr Interesse gilt vor allem den Accessoires, die überall im Laden ausliegen. Kosmetische Anwendungen lässt sich Laura Schüler lieber zum Geburtstag schenken -allein ein 100-Gramm-Tiegelchen Halawa kostet hier sechs Euro.

Auch Stammkundin Silke Horstmann (44) leistet sich ab und zu etwas: «Ich kaufe auch Duschgel von Budni, aber das hier ist mal was Besonderes. Man kann ja alles vorher genau angucken und testen», sagt sie überzeugt. «Der Wohn-Schnickschnack muss einem aber schon wirklich gefallen», merkt sie an und blickt auf die chinesischen Teelichthalter. Dann gesteht sie jedoch: «Ich habe aber auch eine Kristalllampe in der Küche.» Mehr wäre bei drei Kindern nicht so alltagstauglich. Zudem müsste sie dann noch mehr abstauben, ergänzt sie schmunzelnd. Silke Horstmann empfindet das Personal eher «bodenständig» und «einfühlend», als esoterisch und fühlt sich hier sehr wohl. Manchmal nimmt sie sogar ihre Kinder mit in den Laden. «Die beiden Jungs sind davon aber nicht so angetan», gibt sie zu, als sie sich zu den “Schönheitstees” umdreht.

Vor dem Geschäft steht die Eigentümerin Gisela Vecker -in ein luftiges olivfarbenes Batikkleid gehüllt. Auf der Stirn trägt sie eine bunte, paillettenbestickte Opernmaske. «Es geht darum, wie man nicht in der Alltäglichkeit versinkt», erklärt sie. «Eigentlich ist jeder Tag toll», sagt sie überzeugt. Nebenbei gibt Gisela Vecker einer Stammkundin noch private Hautpflegetipps. «Das Glück ist immer da», sagt sie hinterher. Es ginge vor allem darum, mehr Lebensfreude in eine «frigide Gesellschaft» zu bringen.

Und während Gisela Vecker energiegeladen Passanten etwas zu trinken anbietet, tritt Birgit Fischer zufrieden, frisch enthaart und mit vollem Einkaufskorb aus dem Laden.


Bild: © CC 2.0 neonow via Flickr
CC 2.0 Flickr-Lizenz

0
HerzenHerzen
0
HahaHaha
0
Große LiebeGroße Liebe
0
WowWow
0
YayYay
0
TraurigTraurig
0
MähMäh
0
WütendWütend
Danke fürs Wählen!

Kommentar verfassen