Laksmi Pamuntjak: Alle Farben Rot

Alle Farben Rot

1965 sind die Straßen Indonesiens getränkt von Blut. Und während General Suharto sich an die Macht putscht, werden die Liebenden Amba und Bishma von einander getrennt. Jahrzehnte später macht sich Amba auf die Suche nach ihrem Liebsten, der während einer Straßenschlacht ohne Prozess auf die Gefangeneninsel Buru verschleppt wurde. Viel ist seither passiert und Amba muss nun eine Entscheidung fällen…

Kritik zu Laksmi Pamuntjak: „Alle Farben Rot“

Dieser Roman ist schon aufgrund seiner historischen Brisanz ein wichtiges Werk, das vielen Lesern wichtige Einsichten in Gesellschaft und Geschichte Indonesiens liefern wird. Aufgearbeitet wurden die blutigen Unruhen in den 60ern Jahren dort noch lange nicht. Dass man hier mit Laksmi Pamuntjak nicht nur eine politisch engagierte Schriftstellerin vorfindet, sondern auch eine Dichterin, veranschaulicht sie wunderbar mit poetischer Schreibe und lebendiger Symbolik.

Dennoch übertreibt sie es mit dem Märchen von Amba und Bishma, das auf eine alte Legende zurückgeht. Die Protagonistin steht — ganz wie in der Überlieferung — zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine verehrt ihren Körper und Geist. Der andere ist auf der Suche nach einer „Kämpferin“. Letzteres ist Amba jedoch nur dann, wenn sie alleine ist. Und auch da hat sie Grenzen, die allzu schnell manifestiert werden. Sie wirkt stellenweise fast schon unterwürfig, schweigt, hört meist zu. Die „starke“ Protagonisten in „Alle Farben Rot“ ist vor allem eins: passiv. Erst Jahrzehnte nach den Unruhen, wenn keine Hindernisse mehr vor ihr stehen, ist sie bereit, ihre persönliche Komfortzone zu verlassen und wirklich ihre Fesseln zu lösen.

Schade ist jedoch vor allem, dass sich Laksmi Pamuntjak immer wieder dazu genötigt sieht, den Ereignissen mit direkten oder zumindest weniger subtilen Anspielungen vorauszugreifen. Aufmerksamen Lesern werden damit spätere Entwicklungen bereits auf einem goldenen Tablett serviert. Darunter leidet nicht nur die Spannungskurve des Romans. „Alle Farben Rot“ verliert damit auch viel seiner mühsam aufgebauten Intensität und Emotionalität. Für einen Debütroman ist „Alle Farben Rot“ dennoch erstaunlich komplex und facettenreich.

Er, sagte sie, er. Es gab nur dieses Er, und wenn sie es aussprach, haftete an ihm das ganze Gewicht der Erde, des Windes und des Feuers. Jener Er beseelte sie bis in den tiefsten Grund. Adalhard Eilers wusste, dass er nie jener Er werden würde, jener Er, der dem Leben dieser Frau den Atem gab und dessen Samen und in dem Leben war, das in ihr heranwuchs. Aber er, Adalhard, war jetzt der Anker, den diese Frau brauchte, er, Adalhard, ging jetzt im gleichen Schritt neben oder ein wenig hinter ihr, war derjenige, der ihre Klagen und Worte hörte, der ihre Erschöpfung und Trauer auffing. Er würde derjenige sein, der nicht fortging, der nicht verschwand.

Infos zum Buch
Alle Farben Rot
Laksmi Pamuntjak
Ullstein, 2015
978-3550080869
Auszug: S.421/422
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